Wobker schwebt in anderen Sphären
Ida Wobker schreibt weiter an ihrer eigenen ganz persönlichen Geschichte. Die 14-jährige Osnabrückerin, die in dieser Woche in Dublin erstmals in ihrer Karriere als gesetzte Spielerin bei einem Turnier an den Start gegangen ist, lehrt ihrer Konkurrenz immer mehr das fürchten. Mittlerweile steht die Nummer acht der Setzliste hier bereits im Halbfinale und das, obwohl sie auf dem Papier eigentlich als Außenseiterin in ihre Viertelfinalpartie gegen die topgesetzte Französin Astrid Cirotte ging.
Doch was sind schon Zahlen und Fakten ? Bei Wobkers neuestem Lauf kommen Erinnerungen hoch an die Deutschen Jugendmeisterschaften im Vorjahr in Essen. Hier hätte die aktuelle Nummer 855 der Welt aufgrund ihres Alters noch in der U14-Kategorie an den Start gehen können. Aufgrund mangelnder Konkurrenz (ohne den dort an den Start gegangenen Mädchen zu nahe treten zu wollen) entschied sie sich für eine Teilnahme an der U16-Konkurrenz und düpierte dort ihre deutlich älteren Kontrahentinnen am Ende mit dem Titelgewinn.
Ähnlich verhält es sich auch mit der Turnierauswahl der 14-jährigen. Zwar scheint Wobker in der W15-Kategorie momentan gut aufgehoben zu sein, doch nach Ergebnissen wie dem heutigen könnte man sich doch langsam die Frage stellen, ob es nicht angebracht wäre, mittelfristig auf W35-Turniere zu wechseln. Dies bietet sich insbesondere daher an, da sie sich demnächst in den Weltranglistenregionen bewegt, in denen sie zumindest einen Platz in der Qualifikation bei Turnieren dieser Kategorie sicher hätte. Zu berücksichtigen ist zudem, dass sie zwischen ihrem 15. und ihrem 16. Geburtstag nur zehn Wertungen in die Weltrangliste einbringen darf. Bevor dieser Zeitraum am 8. September startet hat sie nach Dublin bis dahin noch zwei Turniere frei.
Dass Wobker auf W35-Niveau mit der Konkurrenz mithalten kann, stellte sie erst vor kurzem unter Beweis, als sie mit einer Wildcard beim Turnier in Stuttgart-Vaihingen an den Start ging und dort nach einem Aufgabesieg über die Griechin Sapfo Sakellaridi zum Auftakt danach im Achtelfinale ihre Landsfrau Stephanie Wagner mit 6:3 und 6:1 vom Platz fegte. Erst im Viertelfinale musste die Osnabrückerin die Segel streichen, als sie an der in dieser Woche extrem stark aufspielenden Emily Seibold scheiterte.
Das heutige Ergebnis lautete im übrigen 6:2, 5:7 und 6:0. Ließe man den zweiten Satz außen vor, so müsste man von einer Klatsche für die Französin reden, die im übrigen sieben Jahre mehr auf dem Buckel hat und in der Weltrangliste aktuell Platz 612 innehat. Für Wobker hingegen rückt der erste Titelgewinn nun in greifbare Nähe. Im Halbfinale trifft sei auf die ungesetzte Niederländerin Coco Bosman, der heute eine ähnliche Überraschung gelang, indem sie die an Nummer drei gesetzte Französin Chloé Noel aus dem Turnier warf.
Wie es sich anfühlt, auf der Tour in einem Finale zu stehen, ist der Osnabrückerin seit einigen Wochen bewusst. Die deutschen Fans würden sich mit Sicherheit freuen, wenn sie dieses Gefühl in zwei Tagen erneut erleben könnte. Dann vielleicht sogar mit erfreulicherem Ausgang.