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Und täglich grüßt das best-of-five

Paukenschlag zum Ende der diesjährigen Australian Open. Turnierdirektor Craig Tiley regt für die kommende Ausgabe des ersten Grand Slam-Turniers des Jahres einige Änderungen im Turnierformat bezüglich des Damenwettbewerbs an. Dabei greift er unter anderem eine schon seit vielen Jahren diskutierte Idee auf, die bis zum heutigen Tag noch keine Umsetzung fand. Wenn schon "equal pay", dann bitte auch "equal play" - zumindest in der Endphase des Turniers.

Im Detail schlägt Tiley eine Ausweitung der Partien der Damenkonkurrenz ab dem Viertelfinale vor. Ab dieser Phase wäre es problemlos möglich, dass auch sie über die komplette Distanz von drei Gewinnsätzen gehen könnten. Um aufkommenden Stimmen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die an der Regelkonformität dieses Vorhabens Zweifel anmelden könnten, fügt er in seinem Statement direkt hinzu, dass im Regelwerk nichts davon zu lesen ist, dass diese Maßnahme verboten wäre.

Tatsächlich ist die Damenkonkurrenz, was das Matchformat anbetrifft, nicht explizit geregelt. In Artikel 1, Absatz L des Grand Slam-Regelbuchs steht lediglich, dass die Partien im Herren-Einzel im Format "best-of-five" absolviert werden müssen. Für alle anderen Konkurrenzen gilt das Format "best-of-three", wobei es im Ermessen des Turnierdirektors liegt, diese auf diese Weise oder doch anderweitig stattfinden zu lassen. Von dieser Regel machte beispielsweise das Turnier von Wimbledon Gebrauch, bei dem bis vor drei Jahren auch im Herren-Doppel im Format "best-of-five" gespielt wurde.

Schon immer gab es Stimmen, die sich für eine Erweiterung der Damenkonkurrenz auf drei Gewinnsätze ausgesprochen haben, gerade aufgrund des identisch hohen Preisgelds für Männer und Frauen. Unter anderem hatte vor einigen Jahren auch Angelique Kerber verlauten lassen, dass sie keine Probleme damit hätte, wenn auch sie zukünftig über drei Gewinnsätze bei Grand Slam-Turnieren spielen müsste. Allerdings ging sie dabei davon aus, dass dies dann auch für die Damen ab der ersten Runde gelten würde.

Dass noch kein Grand Slam-Turnierdirektor dieses heiße Eisen angefasst hat, liegt auf der Hand. Es ist unbestritten, dass Herrentennis deutlich mehr Fans anlockt als das weibliche Pendant, so traurig dies auch sein mag. Zudem geriete auch die Planung aus den Fugen, wenn 64 weitere Matches in der ersten Runde nun auf einmal 1-2 Stunden länger dauern würden als bisher. Das 14- oder mittlerweile gängige 15-Tages-Format würde hierzu nicht ausreichen, wenn man den Akteuren weiterhin einen Tag Pause zwischen zwei Matches garantieren wollte.

Schätzungsweise dürfte Tiley ähnliche Bedenken gehabt haben und hat daher seine Idee so modifiziert, dass sie weder den Zeitplan sprengen würde, noch dass "best-of-five" in Partien angewandt würde, die keinen vom Ofen hervorlocken würden (wobei es auch genügend qualitätsarme Herrenmatches in den frühen Runden gibt). Und schon schafft er eine Diskussionsgrundlage, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Da wäre dann noch der körperliche Aspekt zu nennen mit der Befürchtung, dass die Damen gar nicht in der Lage dazu wären, so lange Matches überhaupt zu bestreiten. Dabei handelt es sich jedoch um nicht mehr als ein Scheinargument, um eben das Hauptaugenmerk bei Grand Slam-Turnieren auf der Herrenkonkurrenz zu belassen. Vor der kollektiven Matchtiebreak-Einführung bei 6:6 im letzten Satz gab es die gute alte "advantage set"-Regelung, nach der die Spielerin gewinnt, die im letzten Satz mindestens sechs Spielgewinne erreicht hat und mit mindestens zwei Spielen Vorsprung führt. Svetlana Kuznetsova und Francesca Schiavone hatten dies vor einigen Jahren in Roland Garros auf die Spitze getrieben. Die Partie endete mit 10:8 im dritten Satz für die Italienerin und dauerte fast fünf Stunden. Schlimmer kann ein "best-of-five"-Match heutzutage mit Tiebreaks in allen Sätzen auch nicht sein.

Nach dem unsäglichen Wimbledon-Halbfinale der Herren 2018, wodurch sich das Finale der Damen mit Angelique Kerber verzögerte, bestand wohl auf allen Seiten Handlungsbedarf. Die Dauer der Partien, gerade bei den Herren der Schöpfung, uferten in solch einem Maße aus, dass man irgendetwas ändern musste, um zukünftig regelmäßige "Isner-Mahut-Verhältnisse" zu vermeiden. Zunächst tat dies Wimbledon im Alleingang mit dem Tiebreak bei 12:12 im fünften Satz, dann kamen die Australian Open mit der heute angewandten Idee, den letzten Satz bei 6:6 durch einen Matchtiebreak entscheiden zu lassen. Ein Jahr später war der Matchtiebreak bei 6:6 dann gang und gäbe bei allen vier Grand Slams.

Daher ist der Ansatz von Tiley nicht der falsche. Im Tennissport wird seit Jahrzehnten nur noch gekürzt, gekürzt, gekürzt, wenn es um die Spieldauer geht, während das Preisgeld gerade bei Grand Slams nur noch steigt und steigt und steigt. Was also spricht dagegen, wenn man dort für deutlich mehr Geld auch etwas mehr arbeiten muss und den Zuschauern mehr für ihr Geld bietet? Im Übrigen hätten so auch die Grand Slam-Turniere bei den Damen ihr Alleinstellungsmerkmal. Denn bislang sind es einfach ganz normale Damenturniere mit größerem Teilnehmerfeld. Zumindest ein Versuch wäre es wert und der ist immer noch sinnvoller als das, was die US Open im Mixed-Wettbewerb seit letztem Jahr praktizieren.

Veröffentlichungsdatum:
Turnier: Australian Open 2026