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Steiner bezwingt Urrutia in dramatischem Marathonmatch

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Valentina Steiner

Das Drama hat ein Ende. Und aus deutscher Sicht ein gutes dazu. Valentina Steiner und Maria Florencia Urrutio hatten sich anscheindend an diesem Nachmittag nichts weiteres vorgenommen und selbst wenn dem so gewesen wäre, hätten sie letztlich darauf verzichten müssen. Im möglicherweise längsten Match der 50-jährigen Turniergeschichte des Tennis International in Darmstadt standen beide insgesamt vier Stunden und 37 Minuten auf dem Platz und sorgten beim zahlreich erschienenen Publikum für beste Unterhaltung.

Auch an Spannung war diese Partie kaum zu überbieten. Qualifikantin Steiner startete mit einem 4:1 furios in die Partie gegen die Nummer 419 der Welt, doch ihre argentinische Gegnerin, die in erster Linie für die ohrenbetäubende Begleitung ihrer Schläge bekannt ist, zeigte schnell, was für ein zäher Brocken sie ist und so war beim 5:5 die schöne Führung zunächst dahin, ohne dass Steiner sich zuvor einen Satzball erspielen konnte. Diesen sollte es wenig später zwar noch geben, doch zuvor ging es für die 19-Jährige darum, den Tiebreak zu erreichen, nachdem sie ihr darauffolgendes Aufschlagsspiel zum 5:6 verloren hatte. Insgesamt vier Satzbälle musste die Deutsche abwehren, um mit einem Break die Entscheidung in diesem Satz noch einmal zu vertagen.

Es folgte ein Tiebreak, der wie ein Spiegelbild des bisherigen Satzverlaufs daher kam. Viele Punkte auf beiden Seiten, doch auf den, der die endgültige Entscheidung bringen sollte, wartete man lange vergeblich. Beim Stande von 10:10 hatte Urrutia alleine im Tiebreak drei weitere Satzbälle liegen lassen, selbiges galt mittlerweile jedoch auch für ihre Gegnerin, die sowohl bei 7:6 als auch bei 8:7 und 9:8 aus ihrer Sicht den entscheidenden Punktgewinn verpasste. So war es am Ende der achte Satzball der Argentinierin, der dieses nicht enden wollenden Durchgang nach zwei Stunden und fünf Minuten Spielzeit mit 7:6(10) beendete.

Zu den Stärken Steiners zählt, dass sie zu den Spielerinnen gehört, die wissen, mit Rückschlägen umzugehen. Urrutia zeigte weiterhin ihr lautstarkes Spiel, doch die Deutsche hielt nach wie vor dagegen und war nicht gewillt, das Match kampflos der Argentinierin zu überlassen. Doch dann der heikle Moment: beim Stande von 4:5 und Aufschlag Steiner stand es auf einmal Vorteil Urrutia, was gleichbedeutend mit einem Matchball war. Doch der 19-Jährigen gelang es, diese brenzlige Situation zu überstehen, nachdem ein Ball ihrer Gegnerin seitlich im Aus landete.

So war es am Ende erneut der Tiebreak, der darüber entscheiden musste, ob die nächste Deutsche in Darmstadt die Koffer packen muss oder ob sie weiter im Rennen bleibt und sich die Chance auf den Achtelfinaleinzug erhält. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits drei Stunden und 17 Minuten gespielt und, um es vorweg zu nehmen, nach Ende des zweiten Satzes stand die Uhr bei 3:38h. Dem vorausgegangen war ein Tiebreak, der auf Messers Schneide stand, in dem es der Deutschen jedoch im entscheidenden Moment immer gelang, den Punkt für sich zu entscheiden. Nicht einen einzigen weiteren Matchball ließ die 19-Jährige im Verlauf des Tiebreaks zu, jedoch benötigte sie selbst vier Satzbälle, um die Wende in dieser Partie mit einem 7:6(8)-Satzgewinn einzuleiten.

Nach einer zehnminütigen Pause startete dann der dritte Satz und es stellte sich die Frage, wie Urrutia den verpassten Matchball und den darauffolgenden Satzverlust verkraften würde. Die Antwort darauf ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Kaum hatte Steiner aufgeschlagen, schon war das Break für die Argentinierin in trockenen Tüchern. Die Freude darüber währte jedoch nur kurz. Postwendend sah Urrutia, wie sie ihr erstes Aufschlagsspiel zu null an die Gegnerin abgeben musste. Es drohte also eine weitere nicht enden wollende Zitterpartie verbunden mit der Frage, ob am Ende nicht noch die Fünf-Stunden-Marke geknackt würde.

Tatsächlich hatte man bis Mitte des dritten Satzes das Gefühl, als wollte dieses Match kein Ende nehmen. Doch mit zunehmender Spieldauer erhöhte sich die Fehlerquote bei der Argentinierin, während Steiner ihrer Gegnerin durch ihre positive Körpersprache signalisierte, dass sie nicht gewillt ist, dieses Match nach dieser famosen Aufholjagd noch aus der Hand zu geben. Daran konnte auch ein ärgerliches Break, das die Deutsche bei eigener 4:2-Führung kassierte, nichts ändern. Im Gegenteil. Dank der passenden Antwort war der vorherige Zwei-Spiele-Vorsprung wieder hergestellt.

Damit hieß es nach viereinhallb Stunden nun "serving for the match" und Steiner, die nun klar am Drücker war, ging dabei schnell mit 40:0 in Führung. Ein enger Ball Urrutias, der direkt auf die Linie tropfte, verhinderte den Sieg bei erstbester Gelegenheit und mit dem 40:30 machte es die 19-Jährige noch einmal ungewollt spannend. Ein verschlagener Vorhandball der Argenitinierin machte diesem Match jedoch ein Ende und mit geballter Faust machte sich Steiner auf den Weg ans Netz, an dem sie und ihre Gegenerin sich noch eine kurze Zeit miteinander austauschten, ehe auch der Schiedsrichter mit einem Handshake bedacht wurde.

Im Achtelfinale am Donnerstag trifft Steiner nun auf die an Nummer sechs gesetzte Spanierin Irene Burillo. Auch die durfte sich heute über drei Sätze gegen die australische Qualifikantin Gabriella da Silva Fick kämpfen, mit zwei Stunden und 39 Minuten Spielzeit war sie jedoch deutlich kürzer auf dem Platz als ihre morgige Kontrahentin.


Turnier: ITF Darmstadt 2026

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