Direkt zum Inhalt

Seibold feiert emotionalen Erfolg auf Gran Canaria

Die Karriere von Emily Seibold kennt aktuell nur eine Richtung: steil nach oben ! In den vergangenen acht Wochen hat sich die 25-jährige in die Form ihres Lebens gespielt. Hätte man sich bei ihrem W15-Turniersieg im bosnischen Banja Luka noch denken können, so ein Erfolg kann bei günstiger Auslosung schon mal vorkommen, so beweist die Spielerin des TC Blau-Weiss Vaihingen-Rohr seitdem, dass der Titel alles andere als Zufall war. Das Wort "Auftaktniederlage" dürfte sie zwischenzeitlich aus ihrem Wortschatz gestrichen haben - zur Freude der deutschen Tennisfans.

Der Blick auf ihr aktuelles Ranking mag täuschen. 37 Plätze ging es in dieser Woche für sie nach unten auf Position 555. Dies hängt jedoch mit ihrer starken Phase, die sie vor einem Jahr hatte, zusammen. Damals stand sie zunächst im W35-Viertelfinale in Aschaffenburg, erreichte dann das W15-Finale in Krsko und dazu noch das W75-Achtelfinale in Hechingen aus der Qualifikation heraus.

Dass Seibold in diesen Wochen keinen Komplettabsturz erleidet, hat sie ihren starken Leistungen in den letzten Wochen zu verdanken. Nach Banja Luka ging es zunächst weiter zum W15-Turnier nach Madrid, in dem auch erst im Halbfinale Endstation war. Nach einer Woche wohlverdienter Turnierpause lautete ihr nächstes Reiseziel Alkmaar, wo ebenfalls ein W15-Turnier ausgetragen wurde. Diesmal reichte es für Seibold "nur" zum Viertelfinale.

Die Trauer über das verpasste Halbfinale dürfte jedoch schnell verflogen gewesen sein. Denn das W35-Turnier auf der Anlage ihres Heimvereins stand wenige Tage später an und an diesem nimmt die 25-jährige traditionell mit einer Wildcard teil. Und das nicht nur, weil sie die Tochter des ehemaligen Turnierdirektors ist, sondern weil sie es sich durch ihre Leistungen verdient hat.

Den Beweis dafür lieferte sie auch prompt vor Ort. Nach Siegen über Martha Matoula, Mariella Thamm, Ida Wobker und Ylena In-Albon fand sie sich am Sonntag beim großen Finale wieder. Gegen die Tschechin Nikola Bartunkova blieb ihr zwar der ganz große Wurf verwehrt, ein Endspiel vor vertrauter Kulisse zu spielen, dürfte dennoch ein besonderes Erlebnis für Seibold gewesen sein. Zudem gelang es ihr in dieser Woche, mit Thamm und Wobker nacheinander zwei der größten deutschen Nachwuchshoffnungen aus dem Turnier zu nehmen. Das muss ihr erst mal eine nachmachen.

Kaum war der Pokal für die Zweitplatzierte entgegengenommen, schon ging es für die 25-jährige weiter zum W50-Turnier nach Aschaffenburg. Dank einer Wildcard für das Hauptfeld blieb ihr der Gang durch die Qualifikation, die direkt am Tag nach dem Finale von Stuttgart-Vaihingen startete, erspart. Hier ereilte sie jedoch etwas Lospech. Zwar gewann sie ihre Auftaktpartie nach Aufgabe der US-Amerikanerin Alexis Blokhina im zweiten Satz, danach wartete jedoch die topgesetzte Italienerin Nuria Brancaccio, die sich für Seibold leider als eine Nummer zu groß erwies.

Ein ähnliches Szenario wie in Aschaffenburg wiederholte sich auch zwei Wochen später in Horb. Auch hier stand sie mit einer Wildcard im Hauptfeld und auch hier feierte sie einen Erfolg zum Auftakt, diesmal gegen Landsfrau Anna Petkovic. Im Achtelfinale war dann erneut Schluss für Seibold, die gegen ihre an Nummer vier gesetzte Landsfrau Nastasja Schunk wenig entgegenzusetzen hatte.

Mit einer Bilanz im Rücken von 16:5 Siegen seit ihrer Erstrundenpartie in Banja Luka, schien dies für die 25-jährige in dieser Woche der richtige Moment zu sein, um den nächsten Schritt auf der Karriereleiter in Angriff zu nehmen. Erstmals in diesem Jahr trat Seibold bei einem Turnier der Kategorie W100 an. Um herauszufinden, wann sie zuletzt ein Turnier dieser oder ähnlicher Größenordnung gespielt hat, muss man zurückgehen bis ins Jahr 2023. Da nahm sie Ende Januar an einem WTA 125-Turnier im kolumbianischen Cali teil und überstand dabei sogar die erste Qualifikationsrunde.

Nun ging es jedoch auf die Kanaren oder, um genau zu sein, auf Gran Canaria zum Conde Jackson Tennis & Padel Club nach Maspalomas. Dass es für Seibold schwer werden würde, direkt ins Hauptfeld zu gelangen, war angesichts ihrer aktuellen Weltranglistenregion und der höheren Turnierkategorie zu vermuten. Tatsächlich erwies sich der Gang durch die Qualifikation am Ende als der einfachste Weg, um nebenbei mal fünf Punkte einzuheimsen.

25 Spiele absolvierte die aktuelle Nummer 555 der Welt, um auf Gran Canaria ins Hauptfeld einzuziehen. Diese Zahl verdeutlicht, dass die in der Qualifikation an Nummer vier gesetzte Seibold in zwei Qualifikationsmatches gerade einmal ein einziges Spiel an ihre Gegnerin abtreten musste, während 24 weitere auf ihr Konto gingen.

So war es nun am Mittwoch, den 30. Juli 2025, soweit. Nach langen und erfolgreichen Wochen durfte sie nun endlich im Hauptfeld eines W100-Turniers antreten. Nur, um einmal die Dimension dessen zu begreifen, worum es bei diesem Match ging: in Banja Luka erhielt sie für den Sieg in der ersten Runde einen einzigen Weltranglistenpunkt, hier auf Maspalomas stehen gleich derer zwölf auf dem Spiel.

Ihre Gegnerin bei dieser Hauptfeldpremiere war die an Nummer fünf gesetzte Bulgarin Lia Karatancheva. Wieder so ein bisschen Lospech, aber irgendwie doch nicht ganz so schlimm. Doch wie auch immer, der erste Satz ging standesgemäß mit 6:3 an die Favoritin. Dennoch steckte Seibold nicht auf und glaube weiter in dieser Partie an ihre Chance. Zurecht. Mit einem "Komm jetzt !" quittierte sie das 6:3 zum Satzausgleich.

Im dritten Durchgang machte sich langsam die lange Spielzeit und die nachlassenden Kräfte beider bemerkbar und immer häufiger ließen die Spielerinnen ihren Emotionen freien Lauf. Mit einem leicht vergebenen Volley schenkte Karantancheva ihrer Gegnerin das Break zum 3:2, wodurch der Schläger der Bulgarin erst einmal Bekanntschaft mit dem Netz machen durfte. Auch auf der anderen Seite wurde es nun ebenfalls etwas hitziger. Nachdem Seibold beim Stande von 4:2 und 30:40 aus Sicht von Karatancheva íhren Return ins Aus setzte und wenig später das Spiel doch noch verlor, gab sie erst einmal einen lauten Schrei von sich und pflaumte danach mit etwas unfreundlichen Worten ihre Box an.

Der kurze Wutausbruch schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Tatsächlich sicherte sich die 25-jährige nach dem Seitenwechsel die letzten beiden Spiele zum etwas überraschenden und dennoch hochverdienten 3:6, 6:3 und 6:3-Erfolg. Damit konnte sie ihr Punktekonto in dieser Woche bereits um 17 Zähler nach oben schrauben und ist wieder auf dem besten Wege, da sie für den Rest des Jahres so gut wie nichts mehr zu verteidigen hat.

Im Achtelfinale muss für Seibold noch lange nicht Endstation sein. Am Donnerstag trifft sie auf die ungesetzte Spanierin Ariana Geerlings. Vielleicht gelingt es ihr ja, dass das Märchen der letzten Wochen noch ein weiteres Kapitel erhält.

Beitrag teilen