Queen's Club sorgt mit neuer WTA-Regel kurz für Verwirrung
Wer das Regelbuch der WTA liest, ist klar im Vorteil. Mit der endgültigen Abschaffung der so genannten "Top 30 Exemption Wild Cards" im vergangenen Jahr dachte man, diese Sonderregelungen für höher platzierte Spielerin seien nun ein- für allemal ersatzlos gestrichen worden. Dabei müsste man das aktuelle "WTA Rulebook" nur bis Seite 26 lesen, um zu erkennen, dass diese Sonder-Wildcards zwar wirklich abgeschafft worden sind, es dafür aber einen anderen Weg gibt, um als Top 30-Spielerin nachträglich noch in ein Hauptfeld zu gelangen.
Erstmals in Berührung gekommen mit Sektion IIIB, Absatz 1b ist man heute aufgrund der Meldung des WTA 500-Turniers im Londoner Queen's Club, in der mitgeteilt wurde, dass die aktuelle Weltranglistenzweite Elena Rybakina dank eines "Top 30 replacement spots" ins Hauptfeld nachrückt. Sie ersetzt mit der in den Top 30 stehenden Tschechin Linda Noskova eine Spielerin, die ursprünglich für die Teilnahme an diesem Turnier gemeldet hatte, nun aber doch auf einen Start verzichtet.
If one (1) or more Top 30 Players who were singles Main Draw direct acceptance players into a WTA 500 Tournament withdraw after the entry deadline and there are no other Top 30 Players on the next-in Main Draw Alternate list, then the Tournament may replace one (1) such Top 30 Player with a replacement Top 30 Player

Möglich macht dies der oben angegebene Passus im neuen Regelbuch der WTA. Dieser besagt, dass es jedem Turnier einmal erlaubt ist, eine Top 30-Spielerin, die ursprünglich nicht für eine Teilnahme gemeldet hatte, ins Feld mit aufzunehmen, sollte eine andere vor Turnierbeginn absagen.
Diese Regelung gilt jedoch nur für Turniere der Kategorie WTA 500. Für parallel stattfindende WTA 250-Turniere gelten gesonderte Regularien, die in diesem Jahr auch leicht modifiziert wurden. So ist es Top 30-Spielerinnen grundsätzlich nicht erlaubt, an diesen Turnieren teilzunehmen, außer sie erfüllen eine der folgenden Kriterien:
- Spielerin ist Titelverteidigerin aus dem Vorjahr
- Turnier findet im Heimatland statt
- Spielerin steht in der Weltrangliste zwischen 11 und 30
Dabei ist zu beachten, dass jedes Kriterium jeweils nur einmal zur Anwendung kommt. Im besten Fall können also maximal drei Spielerinnen von dieser Regel profitieren.
A Tournament may accept only one (1) Exemption Player from each category; provided, however, that if a Defending Champion or Local Player does not enter or is not a Top 30 Player needing an exemption to play, then the Tournament may accept an additional 11-30 Player.
Sollte es keine Titelverteidigerin außerhalb der Top 30 stehend geben oder möchte keine einheimische Top 30-Spielerin an besagtem Heimturnier teilnehmen, so können als Ausgleich zwei beliebige Top 30-Spielerinnen bei diesem Turnier antreten. Bei deutschen Turnieren betrifft dies lediglich das WTA-Turnier in Hamburg, da sowohl der Porsche Tennis Grand Prix als auch die Rasenturniere von Berlin und Bad Homburg in der Kategorie WTA 500 beheimatet sind. Sie können demensprechend die "Top 30 replacement spots" vergeben, die es bei WTA 250-Turnieren nicht gibt.
Turnier: WTA London 2026