No risk, no fun
Als der DTB vor wenigen Wochen ein Foto mit fünf jungen Damen veröffentlicht hatte, dachte man im ersten Moment, das deutsche Team für die kommende Aufgabe im Billie Jean King Cup wäre bereits gefunden. Erst bei genauerem Hinsehen fiel auf, dass dies nicht die Nominierung für den April war, sondern die Vorstellung des neuen Porsche Talentteams. Mariella Thamm, Tessa Brockmann, Julia Stusek, Eva Bennemann und Sonja Zhenikhova erhalten in diesem Jahr eine gesonderte Förderung des Stuttgarter Autobauers. Deutschland werden sie beim Billie Jean King Cup jedoch nicht vertreten.
Doch je länger man darüber nachdenkt, umso mehr stellt man sich die Frage: warum eigentlich nicht? Noch ist die Position des Teamkapitäns nach dem Abgang von Rainer Schüttler nicht besetzt und um ehrlich zu sein wäre es wenig überraschend, wenn diese Position gar nicht mehr separat vergeben würde, sondern Chef-Bundestrainer Torben Beltz diese Funktion mit übernimmt. Dies war auch früher so gang und gäbe, bevor der DTB meinte, er müsste für den Damen- und Herrenbereich jeweils einen "head of tennis" installieren, was ehrlich gesagt eher wirkte wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Boris Becker. Mittlerweile gibt es keinen separaten Davis Cup-Kapitän mehr, daher dürfte es auch im Damenbereich in absehbarer Zeit in diese Richtung gehen.
Also stellt sich für Torben Beltz oder denjenigen, der letztlich die Entscheidung bezüglich der Mannschaftsaufstellung trifft, die Frage, welchen fünf Spielerinnen er für die Partien in der regionalen Gruppe das Vertrauen schenkt. Doch wie wäre es, wenn man sich das Grübeln darüber einfach einmal ersparen würde und man tatsächlich das komplette Porsche Talentteam zur Mission Wiederaufstieg schickt? Keine Maria, keine Lys, keine Siegemund und auch keine Seidel, ist das nicht leichtsinnig? Warum sollte es? Deutschland hat die letzten drei Duelle im Billie Jean King Cup allesamt verloren. Wenn es also endlich Zeit wird, andere Wege zu gehen, dann wohl jetzt.
Denn sind wir mal ehrlich: mehr als verlieren, wie es die anderen zuletzt getan haben, kann das Porsche Talentteam auch nicht. Dabei sollte man dies nicht unterschätzen. Mit Tessa Brockmann und Eva Bennemann hätte man zwei Spielerinnen dabei, die eine großartige Saison 2025 hinter sich haben, zudem bildete Bennemann gemeinsam mit Sonja Zhenikhova ein mehrfach dekoriertes Doppel bei den Juniorinnen. Und mit Mariella Thamm und Julia Stusek hätte man noch zwei Backups dabei, die mit Sicherheit genauso darauf brennen würden, dem deutschen Team wieder zum Aufstieg zu verhelfen.
Ohnehin war dies der Knackpunkt bei der Schmach von Ismaning. Als Zuschauer hatte man damals nicht gerade das Gefühl, als wäre beim Gastgeber eine eingeschworene Mannschaft am Start, in der jede sich für die andere zerreißen würde. Dies war bei der Türkei und insbesondere bei den Belgierinnen anders. Sie setzten sich am Ende dank des cleveren Schachzugs durch, auf den Topstar namens Elise Mertens zu verzichten und stattdessen mit einer jungen, hungrigen Truppe anzutreten. Jeline Vandromme könnte das mit Sicherheit noch detaillierter schildern. Die "deutsche Jeline Vandromme" hingegen durfte ja nur auf der Bank schmoren.
Also, lieber DTB, hab endlich einmal Mut zum Risiko. Schick das Porsche-Quintett in den Aufstiegskampf und leite damit endgültig den längst überfälligen Generationenwechsel ein. Es spricht nichts dagegen, wenn danach wieder die "etablierteren" das Zepter im Billie Jean King Cup übernehmen, aber zumindest muss sich niemand ankreiden lassen, nicht alles versucht zu haben.