Nach über einem Jahr: Giza erhält ihre Revanche gegen McAdoo
Es war nicht nur das Match, das einst in Troisdorf die Massen elektrisierte, es war gleichzeitig auch der Tag, an dem die Dresdnerin Lola Giza nach langer Zeit erstmals wieder auf der Tour auf sich aufmerksam machte. Zuvor sorgte sie nur einmal für Furore, als sie 2024 bei den Leipzig Open dank einer Wildcard in der ersten Runde die topgesetzte Rumänin Cristina Dinu aus dem Wettbewerb warf. Danach wurde es um die damals 17-Jährige wieder etwas ruhiger.
Obwohl es sich in Troisdorf nur um die Erstrundenpartie in der Qualifikation eines W50-Turniers handelte, hatte man auf dem gut besuchten Center Court das Gefühl, als ginge es hier bereits um den Titel. Morgen kommt es nun in Hamburg endlich zur zweiten Auflage der Begegnung zwischen Lola Giza und Rasheeda McAdoo.
Eine ähnliche Zuschauerresonanz wie in Troisdorf ist morgen auf dem Hamburger Rothenbaum leider nicht zu erwarten. Das Match könnte dennoch ähnlich spannend werden wie die Erstauflage vor etwas mehr als einem Jahr. Damals war Giza überhaupt nur dank einer Wildcard in die Qualifikation gekommen und hatte bei der Auslosung das Pech, direkt auf die an Nummer zwei gesetzte US-Amerikanerin zu treffen. Selbst für die meisten Tennisfans war die damals 18-Jährige noch ein unbeschriebenes Blatt. Ihren Namen hatte man zwar hier und da mal aufgeschnappt, doch von ihrer Spielweise überzeugen konnten sich bis dato noch die wenigsten.
Dies sollte sich an jenem 2. Juni 2025 grundlegend ändern. Gleich von Beginn an zeigte Giza, dass sie alles andere als Kanonenfutter für ihre haushoch favorisierte Gegnerin war. Als es im ersten Satz nach einem relativ klaren Satzgewinn für McAdoo aussah, kämpfte sich die Dresdnerin zurück und machte aus einem 3:5-Rückstand ein 5:5. Für die Wende in diesem Satz reichte es für Giza dennoch nicht mehr. Ein weiterer Aufschlagverlust zementierte den Satzgewinn für ihre Gegnerin mit 7:5.
Der zweite Satz zwischen Giza und McAdoo, die von ihrem Coach in aller Regelmäßigkeit mit "good job" angefeuert wurde, verlief
noch ausgeglichener als der erste Durchgang. Bis zum Stande von 4:5 aus Sicht von Giza blieb alles in der Reihe, dann hieß es für die 18-Jährige "serving to stay in the match". Wie schwierig dieses Unterfangen war, zeigte sich in den folgenden Minuten. Vom Publikum frenetisch angefeuert versuchte Giza wirklich alles, um ihr Aufschlagsspiel zum 5:5 erfolgreich ins Ziel zu bringen, doch immer wieder wusste ihre Gegnerin die bessere Antwort. So kamen in diesem Spiel insgesamt fünf Matchbälle für McAdoo zusammen, doch unter dem Jubel der Zuschauer konnte die 18-jährige Newcomerin einen um den anderen zunichte machen. Der verdiente Lohn ihrer Anstrengung war nach diesem nicht enden wollenden Spiel der lang ersehnte 5:5-Ausgleich.
Doch die Zuschauer wurden für ihre Unterstützung wenig später ein weiteres Mal belohnt, denn auch im Tiebreak trugen sie ihre Favoritin von Punktgewinn zu Punktgewinn. Mit 7:4 behielt Giza hier die Oberhand und so sollte es am Ende tatsächlich in einen dritten Satz gehen. Die Sensation lag in der Luft, der Weg jedoch war noch weit. Dennoch legte die Dresdnerin im dritten Satz los wie die Feuerwehr und holte sich die ersten sieben Punkte in diesem Durchgang. Alle drei Chancen, um auf 2:0 davonzuziehen, konnte McAdoo jedoch zunichte machen und ging wenig später selbst mit 3:1 in Führung. So langsam beschlich einen das Gefühl, als könnte sich der Akku der 18-Jährigen, die zuvor noch nie ein Match auf diesem Niveau absolviert hatte, langsam dem Ende nähern.
Tatsächlich aber legte Giza noch einmal alles in die Waagschale und wurde sogar mit dem zwischenzeitlichen 3:3-Ausgleich belohnt. Zu mehr sollte es an diesem Tag leider nicht mehr reichen. Mit 5:7, 7:6(4) und 3:6 unterlag die deutsche Newcomerin, die bei den anwesenden Zuschauern für viel Begeisterung sorgte und von der man sicher war, dass es nicht allzu lange dauern würde, ehe sie erneut irgendwo für Furore sorgen würde. Und man sollte recht behalten. Nur wenige Wochen später sorgte Giza ein weiteres Mal für Schlagzeilen, als sie bei den Kamen Open in ihrer Partie gegen Helena Buchwald einen dramatischen Matchtiebreak nach 5:9-Rückstand noch in einen 18:16-Erfolg drehen konnte, inklusive einer Kontroverse wegen eines vermeintlich kaputten Balls, mit Erscheinen des Supervisors und allem Drum und Dran.
Es wäre wenig verwunderlich, wenn die mittlerweile 19-Jährige am heutigen Abend nicht auch den einen oder anderen Gedanken an diese denkwürdige Partie von damals gegen ihre morgige Gegnerin verschwenden würde. Genauso wenig würde es überraschen, wenn die Siegerin anders lauten würde als damals. Dazu hat Giza ihr Spiel in den letzten zwölf Monaten zu sehr weiterentwickelt. Ob dies für die morgige Partie genügt? Man darf sich überraschen lassen.
Bild: Lola Giza in ihrer Partie gegen Rasheeda McAdoo in Troisdorf 2025
Turnier: ITF Hamburg 2026