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Mit einem blauen Auge davongekommen

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Jule Niemeier

Das war knapp! Dank eines nervenstarken Auftritts des belgischen Duos um Sofia Costoulas und Magali Kempen, das in einer fast dreistündigen epischen Schlacht sein türkisches Pendant, bestehend aus Ayla Aksu und Ipek Oz, nach Abwehr von zwei Matchbällen niederringen konnte, hat das deutsche Team in seiner Playoff-Gruppe beim Billie Jean King Cup im heimischen Ismaning doch noch sein Finale um den Gruppensieg gegen die gestern siegreichen Belgierinnen erhalten. Im Gegenzug steht ein aufopferungsvoll kämpfendes türkisches Team am Ende mit leeren Händen da, das heute nur noch tatenlos zusehen kann, wie jemand anderes sich das Ticket für die Qualifiers im kommenden April sichert.

Aber so ist das nun mal in Dreiergruppen, dass am letzten Spieltag immer eine Mannschaft außen vor bleibt. Deswegen sollte man nach Möglichkeit auch davon absehen. Doch kaum ist dieses Wochenende vorbei, schon kündigt sich das nächste Turnier mit solch einem Format an. Das nennt sich dann United Cup und hat wenigstens den kleinen Vorteil, dass aus jeder der beiden Austragungsorte auch der beste Zweitplatzierte aus den drei Gruppen ein Viertelfinalticket erhält.

Nun aber richtet sich der Blick auf den heutigen Spieltag, bei dem Eva Lys und Co. alles daran setzen werden, um am Ende doch noch ein Happy End einer denkbar schlecht gestarteten Woche mit den Absagen von Tatjana Maria und Laura Siegemund zu feiern. Letztere befindet sich immerhin weiter vor Ort und unterstützt das Team, um vielleicht ja im kommenden Jahr selbst noch einmal in den Kampf um den Titel einzugreifen. Denn man stelle sich mal vor, die Türkei hätte gestern einen ihrer zwei Matchbälle zum Sieg verwandelt, dann würden wir jetzt nicht über mögliche Titelambitionen für das kommende Jahr reden, sondern hätten eher über das philosophiert, was an diesem Wochenende alles falsch gelaufen ist. Und das hätte dann ungefähr so ausgesehen:

Wenn es so ist, dass die gastgebende Mannschaft nicht nur Ort und Belag, sondern zudem auch noch die eigenen Spieltage bestimmen kann, warum um alles in der Welt hat man dann nicht den beiden anderen am Freitag den Vortritt gelassen? Dadurch hätte man die Zeit gehabt, um sich vor dem ersten Einsatz die beiden gegnerischen Mannschaften anzuschauen und diese zu analysieren. Zudem hätte man am Samstag gewusst, ob man im Falle einer Niederlage im ersten Duell überhaupt noch eine Chance aufs Weiterkommen gehabt hätte. So aber schaute man an Tag zwei tatenlos zu, wie die eigenen Chancen den Bach heruntergingen, ohne dabei selbst auf dem Platz zu stehen.

Viele rufen bereits seit Jahren nach einem Generationenwechsel innerhalb der deutschen Mannschaft. Weg von der Ü35-Fraktion hin zu einer zukunftsfähigen Truppe, die sich in den kommenden Jahren einspielen und zu einem echten Titelkandidaten avancieren kann. Nachdem die Verantwortlichen diesen Schritt bisher scheuten, waren sie durch die Absagen von Maria und Siegemund letztlich dazu gezwungen, eine Mannschaft mit jüngeren Spielerinnen zusammen zu stellen. Warum dann aber ausgerechnet Jule Niemeier erste Wahl war, die mit Sicherheit nicht widersprechen würde, wenn man ihr ein "Jahr zum Vergessen" attestieren würde, erschließt sich dem gemeinen deutschen Tennisfan nicht.

In diesem Zusammenhang kommt man auch nicht an einem Namen vorbei, über den in den letzten Jahren immer wieder gesprochen wurde, der aber in aller Regelmäßigkeit konsequent ignoriert wird. Dabei hätte eine Tamara Korpatsch, was ihre aktuelle Form anbelangt, mindestens genauso viel Daseinsberechtigung im deutschen Team wie so manche andere. Ob sie die Niederlage gegen die Türkei verhindert hätte, mag auf einem anderen Blatt stehen. Spätestens nach der Trennung von Barbara Rittner als "Head of Women's Tennis" hätte der DTB auf die mittlerweile 30-Jährige zugehen und ihr die Zusage geben können, bei zukünftig anstehenden BJK Cup-Duellen nicht mehr übergangen zu werden. Aber dieses dauerhafte Ignorieren einer Spielerin, die zu den fünf besten Einzelspielerinnen Deutschlands zählt, wirkt irgendwann nur noch lächerlich und erinnert einen an Zeiten, als Mona Barthel 2012 alles in Grund und Boden spielte und beim darauffolgenden Fed Cup-Duell (das zudem verloren ging) als Maskottchen endete.

Was man sich nach Abschluss der beiden Einzel vom deutschen Teamchef gewünscht hätte, wäre mehr Flexibilität gewesen im Hinblick auf das anstehende entscheidende Duell im Doppel. Die Türkei hat es vorgemacht und sozusagen den Sieg damit eingewechselt. Nach der starken Vorstellung von Zeynep Sonmez gegen Eva Lys dürfte jedem klar gewesen sein, dass nicht Ayla Aksu und Ipek Oz die türkischen Farben im Doppel vertreten werden, sondern dass Sonmez dabei eine Rolle spielen würde. Nach ihrem bombastischen Einstand gegen Berfu Cengiz hätte man sich Ella Seidel in dieser Rolle bei Deutschland gewünscht. Sie mag zwar auch nicht die geborene Doppelspezialistin sein, doch mit der Euphorie eines beeindruckenden Sieges und der Gewissheit des eigenen Publikums im Rücken, hätte das eher was werden können mit dem 2:1-Erfolg über die Türkei und einem möglichen Gruppenendspiel am Sonntag gegen Belgien.

Nun gut. Es gilt nun, so schwer es fällt, den Blick nach vorne zu richten. Und hierbei hätte man die Chance, den nicht ganz unfreiwillig eingeläuteten Generationenwechsel konsequent weiter durchzuziehen. Eva Lys und Ella Seidel könnten die beiden Säulen im zukünftigen Mannschaftsgerüst darstellen, dazu könnte man sich zwei Spielerinnen holen, die für das Doppel vorgesehen sind, sowie eine fünfte, die für den Fall, dass eine Spielerin ausfällt, in die Bresche springen kann, sei es im Einzel oder im Doppel. Und auch mit den in Betracht kommenden Spielerinnen für eventuelle Nachnominierungen sollte man rechtzeitig abklären, dass man in Fällen wie in dieser Woche auf sie zurückgreifen kann. Jule Niemeier ist übrigens die Nummer 1009 in der Doppelweltrangliste. Exakt 600 Plätze vor ihr steht Josy Daems. Die hätte diese Woche übrigens auch Zeit gehabt.

Et hätt noch emmer jot jejange.


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