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"Magic Mara" behält gegen Pastikova die Nerven

Die jungen Wilden aus Tschechien werden so schnell nicht aussterben. Auch in der kommenden Generation wird die Tenniswelt von tschechischen Toptalenten überflutet. Allem voran stehen hier aktuell die beiden Kovackova-Schwestern, die mit zu den Spielerinnen gehören, die zur Zeit die Juniorinnenkonkurrenz dominieren. Doch auch die 17-jährige Julie Pastikova hat in letzter Zeit schon von sich reden gemacht und stand vor gut einem Jahr bereits auf Platz 22 in der Juniorinnenweltrangliste.

Genau diese Julie Pastikova war es auch, die heute mit einer Wildcard in der ersten Runde des W75-Turniers in Prag der fünf Jahre älteren Mara Guth gegenüber stand. Die Usingerin hatte sich zuvor souverän durch zwei Runden in der Qualifikation gekämpft und präsentiert sich in dieser Woche in blendender Verfassung. Ihr gegenüber stand heute nicht nur eine der besten Juniorinnen, sondern zudem auch das tschechische Publikum, das natürlich einen Sieg seiner Nachwuchshoffnung fest eingeplant hatte.

Zu Beginn der Partie sah auch alles danach aus, als sollte die Lokalmatadorin das Ding mühelos nach Hause schaukeln können. Mit 5:1 ging Pastikova in Führung und war drauf und dran, den ersten Satz für sich zu entscheiden. Doch ihre Gegnerin war alles andere als gewillt, diesen ersten Satz schon abzuschrieben und kämpfte weiter um den Anschluss. Tatsächlich gelang es Guth, aus dem 1:5 ein 5:5 zu zaubern, doch wenig später sollte die Aufholjagd letztlich doch vergebens sein. Nach einem weiteren Break zugunsten der Tschechin zum 6:5 verpasste es Guth, einen ihrer drei Breakbälle zu einer möglichen Tiebreak-Entscheidung zu nutzen und musste den Satz mit 5:7 abgeben.

So ärgerlich dieser Satzrückstand auch gewesen sein mag, die Deutsche ließ sich nicht davon aus dem Konzept bringen. Der zweite Durchgang glich einem einzigen Breakfestival. Von zehn Spielen konnte nur ein einziges von der Aufschlägerin gewonnen werden. Dies holte sich die 22-Jährige beim Stande von 3:3. So kam es, dass sie letztlich bei 5:3 ihr Aufschlagsspiel verlor, nur um nach dem Seitenwechsel ihrer Gegnerin ein weiteres Break zuzufügen. 5:7, 6:4 - Satzausgleich.

Die Lage im dritten Satz spitzte sich nach und nach zu, nachdem Pastikova es verpasste, ihren zwischenzeitlichen 3:1-Vorsprung auszubauen und Guth somit wieder zurück ins Match fand. Auch im letzten Durchgang waren Aufschlagverluste an der Tagesordnung. Bitter für die Deutsche, die beim Stande von 5:4 und 30:30 nur noch zwei Punkte vom Matchgewinn entfernt war, dass ihr es in dieser Phase zunächst nicht gelang, das Match vollends in trockene Tücher zu bringen und sie stattdessen nicht nur den 5:5-Ausgleich hinnehmen musste, sondern zudem noch ihr eigenes Aufschlagsspiel zum 5:6 verlor.

Pastikova, die im übrigen auch einen Faible für Doppelfehler zu haben scheint, verpasste es hingegen, sich mit eigenem Aufschlag einen Matchball zu erspielen, stattdessen packte ihre Gegnerin die erste Gelegenheit beim Schopf und erzwang die finale Entscheidung im Tiebreak. Weit über zwei Stunden waren bis dahin bereits gespielt.

Im alles entscheidenden Tiebreak erwischte die 22-Jährige den etwas besseren Start und führte schnell mit 2:1 und eigenem Aufschlag. Ein Doppelfehler machte jedoch diesen kleinen Vorsprung zunichte und so wurden bei 3:3 die Seiten erstmals gewechselt. Danach sollte bei Guth zunächst einmal gar nichts mehr zusammenlaufen. Ein starker Aufschlag der Tschechin, gefolgt von einem mehr als ärgerlichen Netzroller brachte dieser das 5:3 ein, eine verschlagene Vorhand Guths nach einem weiteren Netzroller sorgte dafür, dass sich Pastikova letztlich drei Matchbälle am Stück sichern konnte.

Game over? Nix gibt's! Ein geschmeidiger Doppelfehler der Tschechin hielt die Hoffnung weiter am Leben und nachdem eine einfache Rückhand Pastikovas ins Netz segelte, waren beide Matchbälle bei eigenem Aufschlag weg. Auch beim dritten Matchball zeigte die 17-Jährige Nerven. Eine einfache Vorhand geriet zu lang und anstelle des wohl längst erwarteten "game, set and match" spannte Pastikova das anwesende Heimpublikum weiter auf die Folter. 6:6, nächster Seitenwechsel.

Kaum waren die Matchbälle weg, schon waren es auch die leichten Fehler der Tschechin. Ein umkämpfter Punkt endete zu ihren Gunsten, nachdem eine Rückhand von Guth im Netz landete. Damit stand es nun 7:6 für Pastikova, die erneut selbst zum Matchgewinn servieren konnte. Diesmal tat sie der Deutschen nicht den Gefallen und machte sich diese Chance mit einem Doppelfehler zunichte. Die Usingerin musste richtig kämpfen um den Ausgleich, doch ein toller Vorhandschlag aus den Halbfeld sorgte für den 7:7-Ausgleich. Damit hatte Guth bereits vier Matchbälle in diesem Tiebreak abgewehrt.

Und nun? Endlich einmal Matchball für die Deutsche? Ganz und gar nicht. Nach einem starken Aufschlag Pastikovas war es gleich der Return Guths, der zu lang geriet und so der Tschechin einen fünften Matchball ermöglichte, wenn auch bei Aufschlag Guth. Diesmal sollte es Pastikova sein, deren Return zu lange geraten sollte. Also nix game, set and match, sondern 8:8. Wo bleibt der erste Matchball für die Deutsche?

Da isser! Eine starke Vorhand longline bescherte Guth den zweiten Punktgewinn in Folge und nachdem ihre Gegnerin es fünfmal nicht zustande brachte, das Match zu beenden, war es nun an der 22-Jährigen, dieses verloren geglaubte Match doch noch zu ihren Gunsten zu entscheiden. Dieses Vorhaben ging jedoch gründlich daneben. Pastikova spielte auf einmal befreit auf und setzte eine Rückhand cross unerreichbar für die Deutsche ins Feld und besorgte sich so den 9:9-Ausgleich. Damit hieß es zum dritten Match Seitenwechsel. Vergebene Matchbälle: Pastikova 5, Guth 1.

Bei dieser Bilanz sollte es auch bleiben. Die Niederlage vor Augen fabrizierte die Tschechin einen Doppelfehler zum 9:10 und schenkte Guth somit ihre zweite Chance, um mit eigenem Aufschlag als zweite Deutsche nach Mona Barthel ins Achtelfinale von Prag einzuziehen. Am Ende sollte es eine verschlagene Vorhand ihrer Gegnerin sein, die Guth das Ticket in die nächste Runde bescherte. Nach einer Spielzeit von zwei Stunden und 36 Minuten lautete das Endergebnis 5:7, 6:4 und 7:6(9) aus deutscher Sicht und mit diesem Comeback bewies die Usingerin einmal mehr, warum sie in Fachkreisen auch "Magic Mara" genannt wird. Nicht nur Julie Pastikova kann ein Lied davon singen, fragen Sie nur mal bei Karla Bartel nach. Der erging es in Kamen einst ähnlich.

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