Korpatsch feiert Hauptfeld-Einzug in Rom nach Mega-Comeback
Was Tamara Korpatsch in den vergangenen Tagen zu Wege gebracht hat, ist kaum in Worte zu fassen. Dank einer starken Performance in der vergangenen Woche beim WTA 125-Turnier im spanischen La Bisbal d'Emporda erreichte sie dort das Finale, in dem sie der Australierin Daria Kasatkina nur äußerst knapp unterlegen war. 24 Stunden später musste die 30-Jährige wieder auf dem Platz stehen. Allerdings nicht in Spanien, sondern in der italienischen Hauptstadt.
Dort stand bereits am Montag die erste Qualifikationsrunde beim WTA 1000-Turnier in Rom auf dem Programm. Mit der Italienerin Beatrice Ricci hatte es zumindest die Auslosung gut mit der Deutschen gemeint. Doch so ganz auf Betriebstemperatur war Korpatsch kurz nach der Anreise noch nicht. Und so ging der erste Satz mit 3:6 verloren, ehe sie in der Folge mit einem 6:1 und 6:2 die Verhältnisse wieder klar stellte.
Nach ihrem Auftakterfolg ging es einen Tag später nun um den Einzug ins Hauptfeld. In der finalen Qualifikationsrunde stand ihr die auf Sand starke Ägypterin Mayar Sherif gegenüber, die in der Weltrangliste jedoch mittlerweile bis auf Platz 114 zurückgefallen ist. Aufgrund des Programms, das Korpatsch in den letzten Tagen abgespult hat, war zumindest damit zu rechnen, dass diese Aufgabe für die 30-Jährige nicht einfach werden würde.
So verwunderte es auch kaum, dass im ersten Satz die Ägypterin die tonangebende Spielerin war. Zwei Breaks gegen Ende bescherten ihr die verdiente Satzführung mit 6:3. Nachdem auch zu Beginn des zweiten Satzes alles in Richtung von Sherif lief, die zwischenzeitlich fünf Spielgewinne in Folge verbuchen konnte, fiel es immer schwerer, an eine Wende und an ein Comeback der Hamburgerin zu glauben.
Ihre Gegnerin hingegen eilte schnurstracks der Ziellinie entgegen. Bei 5:2 fehlte Sherif nur noch ein einziger Spielgewinn, um mit einem lockeren 6:3 und 6:2-Erfolg ihr Ticket für das Hauptfeld zu lösen. Tatsächlich sah sich Korpatsch im kommenden Aufschlagsspiel einem 0:30-Rückstand gegenüber, wodurch der Ägypterin nur noch zwei Punkte zum Matchgewinn fehlten. Doch ans aufgeben dachte die 30-Jährige zu keiner Zeit. Mit vier Punktgewinnen in Folge gelang es ihr immerhin, auf 3:5 zu verkürzen. Immerhin noch etwas Ergebniskorrektur, bevor es wieder nach Hause geht.
Doch die Heimreise der Hamburgerin verschob sich zunächst. Anstelle eines Matchballs für Sherif hieß es bei 30:40 zunächst Breakball für die Deutsche. Dieser fand zwar nicht sein Ziel, doch die zweite Möglichkeit, die sich Korpatsch bot, nahm sie dankend zum 4:5 aus ihrer Sicht an. Damit war, wie man so schön sagt, alles wieder in der Reihe. Nun musste sie lediglich ihr Aufschlagsspiel zum 5:5 durchbringen.
Dieses Unterfangen gestaltete sich jedoch schwieriger als vermutet. Anstelle eines lockeren Aufschlagsspiels hieß es auf einmal nach sieben gespielten Punkten Vorteil Sherif oder anders ausgedrückt Matchball. Doch auch diesmal ließ sich Korpatsch nicht aus der Ruhe bringen, entschärfte die Situation mit drei Punktgewinnen in Folge und glich letztlich doch noch zum hochverdienten, wenn auch etwas glücklich zustande gekommenen, 5:5 aus.
Dieses Momentum konnte sich Korpatsch in der Folge zunutze machen. Mit ihrem vierten Spielgewinn in Folge drehte sie diesen Satz und ging mit 6:5 in Führung und hatte somit selbst die Chance, den Satz mit eigenem Aufschlag für sich zu entscheiden und das trotz eines zwischenzeitlichen 2:5-Rückstands und Matchball bei 4:5 gegen sich. Bevor die Hamburgerin den Satzgewinn bejubeln konnte, musste sie zuvor jedoch einen Breakball abwehren, um die Entscheidung im Tiebreak zu verhindern. Mit dem ersten Satzball war der Satzausgleich mit 7:5 perfekt.
Alles nun also auf Tami? Pustekuchen! Kaum hatte der dritte Satz begonnen, schon führte Sherif mit 3:0 und hatte erneut alle Vorteile auf ihrer Seite. Doch erneut verpasste es die Ägypterin, aus ihrem Vorsprung Kapital zu schlagen. Korpatsch konterte erneut und glich zum 3:3 aus. Nachdem Sherif sich ein weiteres Mal mit 4:3 eine Führung verschaffen konnte, folgte ein umkämpftes Aufschlagsspiel von Korpatsch, an dessen Ende ihr zweiter Aufschlagverlust in diesem Satz stand. Zum x-ten Mal in diesem Match also ein weiterer Rückschlag für die Marathonfrau, die 48 Stunden zuvor noch ganz woanders ein Finale bestritt.
3:5 hinten - und jetzt? Weiterkämpfen! Der zweite Versuch von Sherif in diesem Match, die Partie mit eigenem Aufschlag zu beenden, sollte erneut in die Hose gehen. Zwei Breakbälle erspielte sich ihre Gegnerin, mit dem zweiten sollte das 4:5 dann auch unter Dach und Fach sein. Was sich hier abspielte, war eine Parallele zum zweiten Satz, glücklicherweise für Korpatsch im folgenden Aufschlagsspiel ohne Matchball gegen sich. Als danach Sherif ihr Aufschlagsspiel zu null herschenkte, sprach aus heiterem Himmel auf einmal alles für einen Sieg der Deutschen.
Doch so ein einfach gewonnenes Aufschlagsspiel zum Matchgewinn hätte zu dieser Begegnung schlichtweg nicht gepasst. Und so kam es nach einem Aufschlagverlust Korpatschs zu 15 am Ende doch zum alles entscheidenden Tiebreak in dieser Partie, die längst die 3-Stunden-Marke überschritten hatte. Und dieser stand in puncto Drama dem bisherigen Spielverlauf in nichts nach.
Den ersten Punkt in Tiebreak konnte die Ägypterin verbuchen, danach war es zunächst die Hamburgerin, die Punkt für Punkt in Richtung Ziellinie marschierte. Bei 5:1 aus deutscher Sicht wechselten beide erstmals die Seiten, doch die vermeintlich komfortable Führung begann danach, zu schrumpfen. Bis auf 3:5 kam Sherif heran, ehe sich ihre Gegnerin tatsächlich drei Matchbälle organisieren konnte und dies dazu zunächst bei zwei eigenen Aufschlägen.
Der vermeintliche Vorteil des Aufschlags sollte am Ende jedoch nicht die Entscheidung bringen. Beide Punkte bei Aufschlag Korpatsch konnte Sherif verbuchen, die auf einmal wieder ihre Chance auf den Matchgewinn kommen sah. Doch anstatt mit eigenem Service das 6:6 und den nächsten Seitenwechsel klarzumachen, beendete Korpatsch diese unfassbar spannende Partie, bei der sie mehrfach am Abgrund stand und sich immer wieder ins Match zurückkämpfen konnte und alles, nachdem sie eine intensive Turnierwoche bereits hinter sich hat.
Die Auslosung fürs Hauptfeld meint es ein weiteres Mal gut mit der 30-Jährigen, deren Reise in Rom vielleicht jetzt erst richtig beginnt. In der ersten Runde trifft sie auf die Argentinierin Solana Sierra und würde im Falle des Weiterkommen mit Anhelina Kalinina anstelle einer gesetzten Spielerin auf eine Qualifikantin treffen. Kalinina nimmt den Platz von Emma Raducanu ein, die ihren Start kurzfristig abgesagt hatte. Danach könnte es zum Duell mit der an Nummer drei gesetzten US-Amerikanerin Cori Gauff kommen. Hier spricht zumindest das Head-to-head mit 1:0 für die Deutsche. Doch wie sagt man so schön? Eins nach dem anderen.
Turnier: WTA Rom 2026