Korpatsch am Montag erstmals deutsche Nummer eins
Wenn am kommenden Montag die neue Weltrangliste erscheint, wird so mancher Tennisfan zweimal auf das deutsche Ranking schauen müssen, um zu begreifen, was sich in den vergangenen zwei Wochen seit der letzten Ausgabe geändert hat. Nachdem sich vor wenigen Wochen schon Tatjana Maria durch den Wegfall ihrer Punkte für den Turniersieg im Londoner Queen's Club kurzzeitig aus den Top 100 verabschiedet hatte, hat es nun auch Laura Siegemund getroffen.
Die 38-Jährige stand im Vorjahr in Wimbledon im Viertelfinale und hatte ihren hohen Weltranglistenplatz hauptsächlich ihren dort erreichten 430 Punkten zu verdanken. Nachdem diese kommende Woche aus der Wertung fallen, findet sich Siegemund am Montag irgendwo um Platz 85 wieder. Immerhin bleibt sie trotz ihrer Erstrundenniederlage als eine von fünf deutschen Spielerinnen innerhalb der Top 100, jedoch verliert sie dadurch ihren Status als deutsche Nummer eins.
Diesen übernimmt in wenigen Tagen eine Spielerin, die noch nie in ihrer langen Karriere offiziell den Titel als beste Spielerin ihres Landes inne hatte. Die 31-jährige Tamara Korpatsch unterlag zwar selbst in Wimbledon in der ersten Runde, da sie im Vorjahr dort allerdings nicht im Hauptfeld stand und zudem in der Qualifikation direkt zum Auftakt die Segel streichen musste, hatte sie bei diesem Grand Slam-Turnier nichts zu verteidigen. Und da neben Siegemund auch Eva Lys Punkte für ihren Vorjahreseinzug in die zweite Runde verliert, zieht die Hamburgerin in der Weltrangliste am Montag an beiden vorbei.
Erinnerungen werden hier wach an das, was zu Beginn des vorigen Jahres geschah, als sich erstmals Eva Lys diesen Status erarbeitete. Kaum ein Medium ließ es sich nehmen, über diesen "Generationenwechsel" im deutschen Frauentennis zu berichten. Ob Tamara Korpatsch ein ähnliches Medienecho erhält, wenn sie erstmals das non plus ultra bei den deutschen Tennisdamen darstellt, darf bezweifelt werden. Dabei hätte sie es von ihrer Leistung her gesehen genauso verdient, entsprechend gewürdigt zu werden.
Zudem geriet der erhoffte Generationenwechsel, nachdem Lys die Nummer-eins-Position erklommen hatte, mächtig ins Stocken. Im Februar 2025 hatte die damals 23-Jährige erstmals vor all ihren anderen Landsfrauen gestanden, doch was folgte, waren die Erfolge der beiden "Oldies" während der Rasensaison, die diese beiden zurück in die Top 50 der Weltrangliste katapultierten, während die U25-Generation große Schwierigkeiten hatte, um ihren Status quo beizubehalten.
Bei aller Freude, die bei den Fans von Korpatsch nun ausbrechen mag: die Tatsache, dass die 31-Jährige mit gerade einmal 914 Weltranglistenpunken an der deutschen Spitze steht, bedeutet gleichzeitig, dass die Zeit der deutschen Top 50-Spielerinnen vorerst vorüber ist. Die Hamburgerin wird sich aller Voraussicht nach auf Platz 75 einordnen mit gewissem Abstand zu Eva Lys und Laura Siegemund. Einzig und allein Tatjana Maria hat in dieser Woche beim Rasenturnier in Newport noch die Gelegenheit, Korpatsch auf die Pelle zu rücken. Im Falle eines Turniersiegs könnte sie die 31-Jährige dennoch nicht von der Spitze verdrängen, da sie ihre Landsfrau exakt um einen Punkt verpassen würde.
Damit erhält Tennis-Deutschland in wenigen Tagen eine Nummer eins, die selbst noch nie für das eigene Land im Fed bzw. BJK Cup angetreten ist. Laut öffentlicher Darstellung soll dies ausschließlich daran liegen, dass Korpatsch in aller Regelmäßigkeit vom Deutschen Tennisbund bei der Kadernominierung übergangen worden ist. Allerdings wurden mittlerweile Stimmen laut, nach denen der 31-Jährigen in der Vergangenheit sehr wohl mehrfach das Angebot unterbreitet wurde, die deutschen Farben zu vertreten, sie dies jedoch in aller Regelmäßigkeit ablehnte. Vielleicht überdenkt sie jetzt ja ihre Haltung, nun, da sie zu Deutschlands Vorzeigespielerin avanciert ist. Die deutschen Fans würden es sicher begrüßen.