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Keine Sterne in Athen

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Mina Hodzic

"Man kann gar nicht glauben, dass sie nur auf Platz 334 steht, wenn man sie hier spielen sieht." Dies waren die Worte des Kommentators, der beim Bezahlsender sky die gestrige Partie von Mina Hodzic beim WTA-Turnier in Athen begleitete. Und nicht nur ihm dürften solche Gedanken durch den Kopf gegangen sein, auch die deutschen Tennisfans dürften mit Begeisterung vor den Bildschirmen gesessen und sich an dem erfreut haben, was die 24-Jährige gegen die Britin Harriet Dart in zwei Stunden und 45 Minuten alles in die Waagschale legte. Mit ihrem erfrischenden, meist risikobehafteten Spielstil dürfte sie die Herzen vieler gewonnen haben, die bislang noch nicht so sehr mit der Spielerin aus Moers vertraut waren. Auch wenn es am Ende schade war, dass es für sie nicht reichte, um in die nächste Runde einzuziehen und dort in die nächste Schlacht gegen die Lokalmatadorin Maria Sakkari zu ziehen.

Der gestrige Abend wird ohnehin noch lange im Gedächtnis der 24-Jährigen aus Moers verankert bleiben. Sicher nicht wegen des Resultats. Was dies anbetrifft, könnte sie dieses Spiel schnell vergessen. Die Partie in Athen fühlte sich an wie der nächste Schritt auf dem Weg zu einer noch größeren Karriere. Zum ersten Mal in ihrer Laufbahn hatte sich Hodzic bei einem "richtigen" WTA-Turnier erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft und sich einen Platz im Hauptfeld gesichert. Zwei blitzsaubere Zweisatzerfolge, zunächst gegen die Taiwanesin Hai-Ching Chan und tags darauf gegen Ekaterina Yashina ebneten ihr den Weg zu ihrer großen Premiere. Selbst Rechteinhaber sky muss geahnt haben, dass eine denkwürdige Partie bevorstehen würde, warum sonst würde man in seinem linearen Programm eine Partie vom trostlos daherkommenden Court 3 übertragen?

Die Karriere von Mina Hodzic war bislang geprägt von vielen Höhen und ebenso vielen Tiefen, ohne an dieser Stelle genauer in die Details zu gehen. Bereits im zarten Alter von 17 Jahren feierte sie kurz vor der Corona-Zwangspause in Manacor ihren ersten Profititel, nachdem sie schon ein Jahr zuvor erstmals in der Qualifikation beim Porsche Tennis Grand Prix antreten durfte. Das Potenzial, das in der Spielerin aus Moers steckt, wurde also bereits frühzeitig entdeckt. Spätestens, als sie 2022 beim W60-Turnier in Biarritz ihren bislang größten Titelgewinn feiern konnte, sah man sich darin bestätigt, dass der damals 20-Jährigen eine große Karriere bevorstehen würde.

Dank dieses Erfolgs knackte die Moerserin erstmals die Top 500 in der Weltrangliste, nachdem sie zuvor fünf Jahre lang in den hinteren Regionen des Rankings umherdümpelte. Doch die erhoffte Initialzündung, um in ihrer Karriere den nächsten Schritt zu gehen, blieb daraufhin leider aus. Ein Jahr lang musste Hodzic verletzungsbedingt pausieren, ehe sie exakt 52 Wochen später ausgerechnet bei den Turnier ihr Comeback gab, bei dem sie im Jahr zuvor den Titel gewann. Seitdem zeigt ihre Kurve, wenn auch mit dem einen oder anderen Rückschlag verbunden, kontinuierlich nach oben.

Ihre Schritte auf dem Weg hin zu höheren Regionen mögen klein sein, dass sie jedoch das Zeug dazu hat, eine ganz große zu werden, hat sie spätestens mit ihrem gestrigen Auftritt insbesondere gegen Ende des dritten Satzes bewiesen. Weder der 3:5-Rückstand noch das Break zum 5:6 konnten Hodzic sichtlich aus der Ruhe bringen. Break kassiert? Dann kommt eben das Re-Break. Die Fähigkeit, im Kopf klar und bei sich zu bleiben, unabhängig des aktuellen Spielstands, ist eine wichtige Voraussetzung, um es im Tennissport zu etwas größerem zu bringen. Rückschläge gehören dabei dazu und von diesen hatte Hodzic in der Vergangenheit mehr als genug zu verkraften. Möglicherweise haben diese ihr sogar dabei geholfen, damit sie nun zu der Spielerin geworden ist, wie sie sich gestern dem Publikum präsentiert hat. Man mochte seinen Augen gar nicht trauen, wie erfrischend offensiv deutsches Tennis sein kann. Und irgendwie behielt man nach Ende der Partie ein lachendes und ein weinendes Auge zurück, weil man es der krassen Außenseiterin eben doch gewünscht hätte, dass sie für die große Sensation sorgen könne.

Mina Hodzic hat gestern in Athen am Ende leider vergeblich nach den Sternen gegriffen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, ehe sich die nächste Gelegenheit für die 24-Jährige ergibt. Und beim nächsten Mal wird sie sich diese Chance nicht mehr entgehen lassen. Man kann gar nicht glauben, dass sie nur auf Platz 334 steht. Weil sie schlichtweg zu gut dafür ist.


Turnier: WTA Athen 2026

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