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Hamburg, meine Perle

Am heutigen Freitag finden bei den MSC Hamburg Ladies Open die Viertelfinals statt. Deutsche Spielerinnen sucht man im verbliebenen Feld jedoch vergeblich. Mit Caroline Werner war am gestrigen Abend die letzte deutsche Spielerin im Achtelfinale nach ordentlicher Leistung an der topgesetzten Ekaterina Alexandrova gescheitert. Der Traum von einem neuerlichen Lauf einer Deutschen wie ihn vor zwei Jahren Noma Noha Akugue mit ihrem sensationellen Finaleinzug hingelegt hatte, erfüllt sich somit in diesem Jahr leider nicht.

Nun liegt aufgrund dieses Abschneidens natürlich der Schluss nahe, wenn nicht mal mehr eine Deutsche bei einem Heimturnier der 250er-Kategorie das Viertelfinale erreicht, dann war das Turnier wohl aus deutscher Sicht ein Flop. Doch diese Argumentation greift bei weitem zu kurz. Weder eine Caroline Werner noch eine Valentina Steiner, die sich ebenso wie Werner für das Hauptfeld qualifizieren konnte und im direkten Duell später unterlag, würden für sich persönlich diese Woche als Flop bezeichnen. Werner hat die Teilnahme in Hamburg geholfen, sich in den Top 300 der Weltrangliste zu etablieren, Steiner spielte erstmals in ihrer Karriere überhaupt auf WTA-Level und nimmt neben 18 hochverdienten Weltranglistenpunkten viel Erfahrung aus Hamburg mit, auf die sie in ihrer zukünftigen Karriere jederzeit zurückgreifen kann.

Selbst den deutschen Qualifikantinnen, die den Sprung ins Hauptfeld verpasst haben wie eine Anna Petkovic, eine Tessa Brockmann oder eine Sonja Zhenikhova, die alle drei noch ziemlich am Beginn ihrer Laufbahn stehen, können die Eindrücke, die sie aus Hamburg mitgenommen haben, nur hilfreich sein, auch wenn es sich im Fall von Zhenikhova punktemäßig weniger ausgezahlt hat. Doch darum dürfte es in dieser Woche nur zweitrangig gegangen sein. Wichtiger war es, dass der deutsche Nachwuchs die Möglichkeit erhält, WTA-Luft zu schnappen. Unter diesem Gesichtspunkt waren die MSC Hamburg Ladies Open aus deutscher Sicht ein voller Erfolg.

Das Problem in Hamburg ist auch nicht das Abschneiden der deutschen Spielerinnen. Dies musste man nach den Absagen von Eva Lys und Laura Siegemund leider so erwarten. Das Problem ist die mangelnde Zuschauerresonanz. Wann immer man sich Live-Bilder vom Hamburger Centre Court ansieht, es fallen immer zuerst die erschreckend leeren Ränge ins Auge. Für potenzielle Sponsoren ist dieser Anblick natürlich ein Schreckensszenario und auch die Beschäftigten in den vielen Verkaufsständen im Außenbereich hätten sicher nichts dagegen, wenn sie durch mehr Publikum etwas mehr Umsatz generieren könnten.

Hier hat man in letzter Minute ein Angebot für alle gefunden, die zwar gerne einmal am Rothenbaum vorbeischauen würden, aber nicht unbedingt die Matches am Centre Court verfolgen wollen. Interessenten können sich für ein kostenloses "Ground Ticket" registrieren, mit dem sie, ohne Eintritt zu bezahlen, auf die Anlage kommen und sich sogar die Matches auf den Nebenplätzen anschauen können. Leider hat man sich ziemlich kurzfristig für diesen Weg entschieden, es wäre dennoch interessant zu wissen, wieviele Fans von diesem Angebot, das am heutigen Tag endet, Gebrauch gemacht haben. Für zukünftige Ausgaben, die es hoffentlich am Hamburger Rothenbaum geben wird, wenn notwendig auch "nur" als 125er-Ausgabe wie im Vorjahr, sollte diese Option von vorneherein offensiv beworben werden, wie es beispielsweise das Turnier in Bad Homburg bereits vor der coronabedingten Verschiebung der Premierenausgabe 2020 getan hat und bis heute tut. Alle sollen kommen, nur wer auf den Centre Court will, muss Eintritt zahlen. So bringt man den Tennissport, der insbesondere im Frauenbereich in Deutschland viel zu wenig Resonanz erfährt, den Menschen wieder näher. Und wer da ist, der sorgt auch für Bilder vom Turnier, auf denen viele Menschen zu sehen sind und zudem für Umsatz zur Freude der vielen Anbieter vor Ort.

Was viele bei der diesjährigen Ausgabe abgeschreckt haben dürfte, waren die etwas sehr optimistisch angesetzten Ticketpreise. Das Problem hierbei sind weniger die 20 bzw. 25 Euro, die man in den ersten drei Tagen in der niedrigsten Kategorie berappen muss, sondern der horrende Sprung ab dem Turniermittwoch, an dem niemand auf den Centre Court kommt, der nicht mindestens 45 Euro für eine Karte hinlegt. Ab Freitag reden wir zudem bereits von einem Preis von 75(!) Euro für vier Viertelfinals - pro Person. Dass da der Centre Court nicht aus allen Nähten platzt, dürfte wohl nur die wenigsten verwundern.

Ob allerdings eine andere Strategie von mehr Erfolg gekrönt gewesen wäre, lässt sich nicht so einfach beantworten. Natürlich könnte man auch sagen, man nimmt bis Mittwoch 20 Euro pro Karte und ab Donnerstag bis zum Finale dann jeweils 30. Das wäre in jedem Falle ein angemessenes Preisniveau, bei dem keiner sich über horrende Ticketpreise beschweren könnte. Ob man dadurch jedoch deutlich mehr Zuschauer anlocken würde, diese Antwort steht in den Sternen, von der Wirtschaftlichkeit mal ganz abgesehen.

Doch egal, wie es im kommenden Jahr weitergeht: das Damenturnier am Hamburger Rothenbaum muss bleiben. Nicht nur, weil es für den Turnierstandort Deutschland von immenser Wichtigkeit wäre, ein einheimisches WTA 250-Turnier zu haben, sondern weil es auch schlichtweg perfekt organisiert ist. Was Turnierdirektorin Sandra Reichel hier auf die Beine gestellt hat, ist aller Ehren wert und davor kann man auch nur den Hut ziehen. Wenn man jetzt noch an den richtigen Stellschrauben dreht, könnten die MSC Hamburg Ladies Open zukünftig eine wichtige Rolle im deutschen Turnierkalender spielen. Dem deutschen Frauentennis wäre es in jedem Falle zu wünschen.


Turnier: WTA Hamburg 2025

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