Gruppensieg verpasst, aber Generationswechsel eingeleitet
Der Traum vom schnellen Wiederaufstieg ist geplatzt. Mit der Niederlage von Tessa Brockmann und Ella Seidel im entscheidenden Doppel gegen Schweden ist nun auch das zweite Duell in der BJK Cup-Regionalgruppe I verloren gegangen, nachdem man am Mittwoch gegen Portugal bereits die Segel streichen musste. Nun machen die beiden bisherigen deutschen Gruppengegner den Gruppensieg im direkten Duell gegeneinander aus. Für Deutschland kann es nur noch darum gehen, das "worst case scenario", das da Abstieg in Regionalgruppe II lautet, zu verhindern.
Einen ersten Schritt hierzu könnten Noma Noha Akugue und Ella Seidel in den beiden Einzeln im abschließenden Duell gegen Dänemark machen. Dies entscheidet darüber, wer in der Abstiegsrunde als Gruppendritter am Samstag auf das Schlusslicht der Gruppe A, Litauen, trifft und wer als Gruppenletzter am Freitag aller Voraussicht nach gegen die Slowakei gegen Kroatien ran muss.
Die Enttäuschung bei den deutschen Tennisfans dürfte enorm sein. Da muss man lediglich gegen solche Halbschwergewichte wie Dänemark, Portugal und Schweden antreten und nicht einmal in solch einer Gruppe reicht es dazu, um den Gruppensieg einzufahren. Die Ursachen für das enttäuschende Abschneiden sind ohne Frage vielfältig, dennoch sind Rufe nach den "etablierten Spielerinnen" hier fehl am Platz. Wahrscheinlich hat man schon vergessen, wie weit man es mit den "etablierten" Siegemund, Maria, Friedsam und Niemeier in Ismaning gebracht hat. Die eine Hälfte fiel schon zuvor verletzungsbedingt aus, die andere hat schlichtweg nicht abgeliefert. Daher war es absolut nachvollziehbar, dass man hier einen Schnitt machte und eine komplett neue Mannschaft bildete aus Spielerinnen, die allesamt noch unter 25 Jahren sind und somit noch eine lange Zukunft noch vor sich haben.
Ja, Ella Seidel hat gegen Portugal weit unter ihren Möglichkeiten gespielt und Noma Noha Akugue einen großen Vorsprung gegen Schweden nicht ins Ziel gebracht. Das kommt vor und das wäre eigentlich auch nicht schlimm. Doch nun rächt sich das, was viele schon seit Jahren anprangern und nach wie vor sträflich vermissen. Wo bitte ist das eingespielte deutsche Doppel?
Natürlich kann man nun argumentieren, man hätte ja Laura Siegemund nominieren können. Und dann? Vera Zvonareva einbürgern? In der Vergangenheit hatte die 38-Jährige Doppelexpertin schon mehrfach auch mit ihren Landsfrauen zusammengespielt, doch das, was heute davon noch in Erinnerung geblieben ist, sind zwei Turniersiege, wovon einer mit Annika Beck in Florianopolis zustande kam und ein weiterer mit Mona Barthel in Luxemburg. Beide Triumphe stammen zudem aus dem Jahr 2015. Daher alleine wegen Siegemund das Mannschaftsgefüge zu sprengen wäre genauso riskant, wie sie außen vor zu lassen. Und genau diesen Weg hat Torben Beltz nun gemeinsam mit Jasmin Wöhr eingeschlagen und wird ihn hoffentlich auch konsequent durchziehen.
Sollte am Ende alles gut gehen und das deutsche Team auch im nächsten Jahr in der Regionalgruppe I zugange sein, so kann man dem Team immerhin zugute halten, den Klassenerhalt geschafft zu haben. Das ist zwar nicht der Anspruch einer deutschen BJK Cup-Mannschaft, doch angesichts der eklatanten Doppelschwäche ein realistisches Szenario. Daher muss der Fokus bei der Arbeit des Trainerteams nun darin liegen, ein geeignetes Duo zu finden, das regelmäßig bei Turnieren welcher Kategorie auch immer in der Doppelkonkurrenz antritt und dem man im Umkehrschluss, sollten die Erfolge eintreten, eine Einsatzgarantie bei zukünftigen BJK Cup-Duellen erteilt.
Das, was seit Jahren im Davis Cup mit Kevin Krawietz und Tim Pütz praktiziert wird, muss es auch im Damenbereich geben, auch im Hinblick darauf, wenn es in absehbarer Zeit mal wieder zu einem Heim- oder Auswärtsspiel kommt. Ab sofort steht dort die Doppelpaarung nämlich nicht mehr an fünfter, sondern an dritter Stelle zum Start des zweiten Wettkampftags. Oder anders ausgedrückt: das Doppel hat nun vorentscheidenden Charakter. Und es ist ja nicht so, als gäbe es in Deutschland keine Doppelspielerinnen unter 25. Ein Blick in die Weltrangliste zeigt, dass unter den deutschen Top 10 mit Noma Noha Akugue, Josy Daems, Tessa Brockmann, Joelle Steur, Mina Hodzic und Laura Böhner gleich sechs Spielerinnen ihren 25. Geburtstag noch vor sich haben. Sie spielen also alle Doppel, die jungen, nur eben nicht gemeinsam.
Ansonsten kann man dem neuen Coaching-Team um Torben Beltz und Jasmin Wöhr nicht viel vorwerfen. Die Fehler, die junge Garde nicht schon früher an diesen Wettbewerb herangeführt zu haben, gehen auf das Konto von Rainer Schüttler. Nun galt es erst einmal die Weichen für die Zukunft zu stellen. Und auch wenn es das Ergebnis nicht hergibt, es ist immerhin gelungen, eine homogene Truppe in einer bestimmten Altersstruktur zu formen. Alles weitere wird in den nächsten Jahren folgen. Man muss nur Geduld haben.