Giza macht deutschen Traumtag in Horb perfekt
Vor dem heutigen Spieltag hatten drei deutsche Spielerinnen die Möglichkeit, sich beim ahg Cup im Horber Stadtteil Bildechingen ihr Ticket für das morgige Viertelfinale zu sichern. Die Ausgangslage gestaltete sich jedoch nicht einfach. Sowohl Josy Daems als auch Lola Giza stand ein Duell mit einer gesetzten Spielerin bevor, zudem traf Wildcardspielerin Francesca Parcelli auf die starke Qualifikantin Margaux Maquet, die tags zuvor noch Parcellis Landsfrau Victoria Pohle aus dem Wettbewerb nahm.
Somit sah es danach auch, als müsse man am Ende dieses Tages froh darüber sein, wenn zumindest eine der drei letzten verbliebenen Deutschen im Feld auch am nächsten Tag noch im Wettbewerb steht. Doch das deutsche Trio hatte andere Pläne. Noch bevor Francesca Parcelli für die erste Überraschung des Tages mit ihrem Dreisatzerfolg über Maquet sorgte, war bereits durchgesickert, dass die an Nummer sieben gesetzte Schweizerin Alina Granwehr nicht zu ihrem Match gegen Josy Daems würde antreten können. Damit war schon früh gesichert, dass es auch am Freitag noch Matches mit deutscher Beteiligung geben würde.
Die Frage stellte sich nach Ende der ersten Partie auf dem Center Court, ob es nun bei zwei deutschen Spielerinnen im Viertelfinale bliebe oder ob die 19-jährige Lola Giza für eine weitere Überraschung sorgen würde, indem sie die an Nummer vier gesetzte Chinesin Xinxin Yao aus dem Wettbewerb nimmt. Bereits in ihrer ersten Partie am Dienstag gegen die Spanierin Maria Martinez Vaquero hatte die Sächsin angedeutet, dass sie sich wieder in blendender Form befindet.
Tatsächlich legte Giza im Abendspiel, das um 17:30 Uhr begann, los wie die Feuerwehr. Die Partie hatte noch nicht einmal richtig begonnen, schon führte die 19-Jährige mit 5:1. Dass ihr gegenüber die Nummer vier der Setzliste steht, die in der Weltrangliste Platz 286 einnimmt, war in der Anfangsphase nicht zu erkennen. Giza, die selbst aktuell nur auf Platz 1390 steht, leistete sich im weiteren Verlauf des Satzes ein paar leichte Fehler, die es ihrer Gegnerin ermöglichten, bis auf 3:5 zu verkürzen. Dann aber blieb sie im darauffolgenden Aufschlagsspiel konzentriert und servierte den ersten Satz zum 6:3 aus.
Der Satzgewinn gleichbedeutend mit der Vorentscheidung? Nachdem sich Giza auch zu Beginn des zweiten Durchgangs in bester Verfassung zeigte und schnell mit 3:0 in Führung ging, hätte man das meinen können. Dass ihr jedoch immer noch eine Spielerin gegenüber stand, die in der Weltrangliste mehr als 1000 Plätze vor ihr rangiert, dürfte ihr in der vier darauffolgenden Spielen bewusst geworden sein. Die Chinesin war keineswegs gewillt, ihrer Gegnerin die Partie kampflos zu überlassen und gab weiterhin alles, um das Match in ihre Richtung drehen zu können, während bei Giza sich der eine oder andere leichte Fehler zu viel einschlich. Und so wurde aus dem 3:0 ein 3:4.
Doch der Anfang vom Ende für die 19-Jährige war dieser Rückschlag keineswegs. Faktisch hatte sie "nur" ihren Doppelbreakvorsprung aus der Hand gegeben und konnte zum 4:4-Ausgleich servieren, was sie souverän auch tat. Man spürte in dieser Phase, wie die Sicherheit zurück in ihr Spiel fand. Yao kam nun sogar unter Druck, ihr Aufschlagsspiel unter allen Umständen gewinnen zu müssen, um nicht mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Dazu kam es jedoch nicht. Nachdem sie ihren ersten Breakball nicht nutzen konnte, war es der zweite, der Giza das entscheidende Break zum 5:4 ermöglichte.
Nach einer langen Durststrecke von zwischenzeitlich vier Spielverlusten in Folge hieß es für die Deutsche nun letztlich doch "serving for the match". Die Gegenwehr von Yao schien mit deren Aufschlagverlust zuvor gebrochen gewesen zu sein. Beinahe mühelos und zu null servierte Giza ihr Aufschlagsspiel zum hochverdienten 6:3 und 6:4-Erfolg gegen die Chinesin aus, die spätestens seit heute weiß, dass Weltranglistenpositionen alleine keine Aussagekraft darüber haben, welche Fähigkeiten andere Spielerinnen besitzen.
Für Giza bedeutet der heutige Erfolg, wie im übrigen auch für ihre Landsfrau Francesca Parcelli, der erstmalige Einzug überhaupt in die Runde der letzten acht bei einem Profiturnier. Dass es sich hierbei zudem um eines der Kategorie W50 handelt, macht die ganze Sache noch besonderer und zeigt, dass das deutsche Frauentennis lebendiger ist, als es so manche wahrhaben wollen.
Bild: Lola Giza (l.) und Xinxin Yao nach ihrer Partie am Netz
Turnier: ITF Horb 2026