Gipfeltreffen zwischen Siegemund und Williams perfekt
Insgeheim hatte man nach der Auslosung des Doppelfeldes im Londoner Queen's Club darauf gehofft, dass es in der zweiten Runde zum Duell Fernandez/Siegemund gegen Mboko/Williams kommt, dabei galt es als deutlich wahrscheinlicher, dass dieses Achtelfinale auf der einen Seite von Alexandra Panova und Demi Schuurs und auf der anderen Seite von Nicole Melichar-Martinez und Erin Routliffe bestritten wird. Letztlich aber konnten sich jeweils die beiden Außenseiterinnen in diesen Duellen durchsetzen und so kommt es am Donnerstag zu diesem aus deutscher Sicht mit Spannung erwarteten Aufeinandertreffen.
Ginge man nach den Ergebnissen der Begegnungen im Einzel zwischen Siegemund und Williams, spräche vieles für eine einseitige Angelegenheit. Dreimal standen sich beide, die mittlerweile gemeinsam 82 Lebensjahre auf dem Buckel haben, gegenüber. Zuletzt trafen sie sich 2021 in der ersten Runde der Australian Open. Diese Partie endete mit 1:6 und 1:6 ähnlich deutlich wie die beiden vorangegangenen Duelle 2020 in Auckland (4:6, 3:6) und 2016 in Indian Wells (2:6, 1:6). Ob es jemals wieder dazu kommen kann, dass sich beide im Einzel noch einmal gegenüberstehen, ist aktuell noch fraglich, da sich die 44-jährige US-Amerikanerin bedeckt hält, was Einsätze in der Einzelkonkurrenz anbetrifft. Andererseits kann man sich kaum vorstellen, dass eine Serena Williams nach Wimbledon reist, nur um in der Doppel- und eventuell Mixed-Konkurrenz anzutreten.
So chancenlos Siegemund gegen Williams bislang auch war, die Resultate aus dem Einzelwettbewerb geben ohnehin keinen Aufschluss darüber, wie die morgige Partie verlaufen wird. Nicht nur weil im Doppel noch zwei andere Spielerinnen zusätzlich auf dem Platz stehen, hier sind grundsätzlich andere Qualitäten gefragt als wenn nur auf sich alleine gestellt ist. Zudem fehlt Williams nach so langer Zeit die Wettkampfpraxis auf diesem Niveau, weswegen es auch etwas überraschend war, dass sie und ihre kanadische Partnerin Victoria Mboko so relativ deutlich gegen die beiden gestandenen Doppelexpertinnen Nicole Melichar-Martinez und Erin Routliffe gewinnen konnten. Dieses Ergebnis hätte man in dieser Höhe eher andersrum vermutet.
Das Comeback der US-Amerikanerin, das sich bislang ausschließlich auf die Doppel-Konkurrenz beschränkt, rückt diese Disziplin ungeahnt wieder in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Fristete der Doppelwettbewerb jahrelang auf der Tour ein Schattendasein, so ist bei den Partien mit Beteiligung der 44-Jährigen die Ansetzung auf dem größten Court garantiert. So viel Aufmerksamkeit, wie das Doppel in dieser Woche in der medialen Berichterstattung erhält, gab es seit Ewigkeiten nicht mehr. Doch so spannend und spektakulär Doppel auch ist: sobald Serena Williams vom Doppel zum Einzel wechselt, gerät auch die Doppel-Konkurrenz in den Medien wieder zu dem, was sie seit Jahren ist: nicht mehr als eine Randnotiz.
Turnier: WTA London 2026