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Es muss ein Ende haben

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Sonja Zhenikhova

Nicht erst seit der legendären Wutrede von Laura Siegemund in Rom am sky-Mikrofon weiß man, dass der Sportwettenmarkt für den internationalen Tennissport ein riesiges Problem darstellt. Beschränkte man sich früher auf Hasskommentare auf "social media", wenn man eine Wette verlor, so ist man heute schon so dreist und versucht, direkt beim Match Einfluss auf die Partien zu nehmen. Sowohl Pöbeleien von Zuschauern als auch Rufe während der Aufschlagbewegung hatte Siegemund in ihrem Anfall moniert und lauthals gefordert, dass solche Leute auf der Anlage nichts zu suchen haben und von der Security abgeführt werden müssten. Wer die 38-Jährige kennt, der weiß, dass sie auch keine Hemmungen hätte, dem Schiedsrichter zu sagen, sie spielt so lange nicht weiter, ehe entsprechende Personen nicht die Ränge verlassen haben.

Wahrscheinlich gibt es im Profitennis kaum eine Spielerin, die noch nicht mit Anfeindungen in irgendeiner Art in Berührung gekommen ist. Eva Lys geht mit diesem Thema schon seit langem offen um, auch auf Tamara Korpatsch prasseln regelmäßig dementsprechende Kommentare ein. Sie sah sich sogar dazu veranlasst, ein mehrminütiges Video zu veröffentlichen, in dem sie diesen Leuten sinngemäß unmissverständlich mitteilte "Ich spiele für mich und meine Familie, aber ich spiele nicht für euch. Ihr interessiert mich nicht und eure sch… Kommentare berühren mich auch nicht."

Es ist gut, dass die Betroffenen solche Ereignisse offen kommunizieren. Dies sollte viel häufiger der Fall sein. Die Täter müssen wissen, dass ihr Handeln öffentlich zur Schau gestellt wird. Ob es sie letztlich interessiert, steht auf einem anderem Blatt, aber es muss ihnen klar sein, dass ihre Taten nicht im verborgenen bleiben. Und wer meint, Sportwetten würden sich auf WTA-Ebene beschränken, der kann ja heute mal bei Sonja Zhenikhova nachfragen. Die 18-Jährige ist nach ihrer Niederlage gegen Landsfrau Valentina Steiner in der ersten Runde beim W15-Turnier im ungarischen Szentendre ebenfalls Adressatin von Hasskommentaren geworden. Dabei sind die ausgesprochenen Drohungen Spielerinnen gegenüber immer dieselben und reichen von harmloseren Bemerkungen wie "such dir einen anderen Job" bis hin zu Gewaltfantasien der übelsten Sorte, auf die man an dieser Stelle lieber nicht genauer eingeht. Die Palette an Beleidigungen ist dabei breit gefächert und dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Und alles nur, weil irgendwelche Idioten sich bei ihren Sportwetten verzockt haben.

Warum aber ausgerechnet Zhenikhova? Die 18-Jährige galt vor der Partie gegen Steiner in diesem Match als klare Außenseiterin. Ihre Gegnerin hatte erst vor wenigen Wochen beim W15-Turnier im französischen Reichstett ihren ersten Profititel errungen und nahm eine Woche später an der Qualifikation zu einem WTA 500-Turnier teil, bei der sie sich achtbar geschlagen hatte. Zhenikhova hingegen sucht schon seit längerem nach ihrer Form, die ihr im letzten Jahr zu ihrem ersten Titel in Antalya verholfen hatte. Jedem normal denkenden Mensch war also klar, dass ein Sieg der Spielerin des SCC Berlin eine mittelgroße Überraschung gewesen wäre und somit eine Wette auf ihren Sieg ein Risiko darstellte. Selbst nachdem der erste Satz mit 6:0 an die Außenseiterin ging, musste man immer noch damit rechnen, dass Steiner die Partie am Ende gewinnen könnte, sobald sie damit anfangen würde, ihr Spiel durchzuziehen. Und so kam es am Ende auch.

Wenn eine Spielerin ein Match verliert, gerade nach so einem hohen Satzgewinn, dürfte sie nach Spielende wohl diejenige sein, die sich selbst am meisten darüber ärgert, dass es am Ende nicht zum Sieg gereicht hat. In dieser Gefühlslage sind dumme, beleidigende Sprüche mit Sicherheit das letzte, was man da noch gebrauchen kann. Sonja Zhenikhova ist erst vor wenigen Wochen 18 Jahre alt geworden, anders ausgedrückt, sie war bis vor kurzem noch minderjährig und macht aktuell eine schwierige Zeit durch, nachdem das vergangene Jahr von vielen Erfolgen geprägt war, unter anderem ja auch im Juniorendoppel. Die junge Dame ist also genügend mit sich selbst beschäftigt. Was für ein armseliges Würstchen muss man da bitte sein, wenn man seinen eigenen selbstverschuldeten Frust an einer 18-jährigen Spielerin auslässt? Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele noch jüngere Spielerinnen bereits ähnlichen Anfeindungen ausgesetzt waren.

Es ist, wie Laura Siegemund in Rom gesagt hat. Diese Leute sind keine Tennisfans. Ein echter Tennisfan wettet nicht. Er erfreut sich an der Sportart, die so viele Facetten bereit hält. Und wenn er sich doch mal an einer Sportwette vergreift, dann weiß er, dass sein eingesetztes Geld verloren sein kann und dass nur er alleine die Schuld daran trägt. Die Probleme sind andere. Doch solange es Sportwetten gibt, wird man diese nie gänzlich in den Griff bekommen. Und darauf zu hoffen, dass es eines Tages zu einem weltweiten Sportwettenverbot kommt, ist vergebene Liebesmüh. Dazu ist dieser Millardenmarkt für viele, auch für staatliche Institutionen, finanziell schlichtweg zu lukrativ. Mit einem weltweiten Verbot von Sportwetten würde man das Problem ohnehin nicht lösen, man verlagert es lediglich in die Illegalität. Damit wäre es noch unkontrollierbarer als es heute ohnehin schon ist.

Der Typ, der Laura Siegemund in ihrem Match in Rom aus der Fassung brachte, soll anscheinend wegen ihr fünf Euro verloren haben. "Was macht dann einer mit mir, der meinetwegen mal 500 Euro verliert?" Diese Frage wollen wir lieber mal nicht beantworten.


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