Die kuriose deutsche W15-Doppelkönigin
Laura Böhner hatte am vergangenen Wochenende allen Grund zu Feiern. An der Seite ihrer Partnerin Tessa Brockmann sicherte sich die 24-jährige beim W15-Turnier in Essen ihren zehnten Doppeltitel auf der ITF-Tour. An und für sich mag dieser Umstand im ersten Moment kein Anlass darstellen, um explizit darüber zu berichten. Tatsächlich ist es auch nicht die runde Zahl an den Doppeltriumphen, was diesen Erfolg so besonders macht, sondern es sind die Begleitumstände, die dieses Jubiläum interessant machen.
Zu Beginn der TVN Open hatte es nicht danach ausgesehen, als sollte Böhner überhaupt irgendetwas zählbares von diesem Turnier mitnehmen können. In ihrer Auftaktpartie in der Qualifikation der Einzelkonkurrenz gegen ihre Landsfrau Christina Bednarczyk musste die Düsseldorferin aufgrund einer schwerwiegenden Erkältung nach dem ersten Satz aufgeben. Im wenig später veröffentlichten Doppelfeld tauchte sie dennoch auf.
Hier spielte ihr in die Karten, dass Tessa Brockmann und sie in der ersten Runde mit einem Freilos belegt wurden und beide somit erst im Viertelfinale ins Geschehen eingreifen mussten. Diese Partie würde erst vier Tage nach Böhners bitterer Aufgabe auf dem Spielplan stehen und so nutzte die 24-Jährige die Zeit, um sich wieder soweit herzustellen, dass bei ihr rechtzeitig wieder an Leistungssport zu denken war.
Dass Böhner spätestens beim Tag des Doppel-Halbfinals wieder bei Kräften war, zeigte sich beim mit Spannung erwarteten Aufeinandertreffen von ihr und Brockmann mit den beiden Junioren-Europameisterinnen Eva Bennemann und Sonja Zhenikhova. Dies fand am Tag nach ihren Viertelfinalerfolg in zwei Sätzen über Christina Bär und Annemarie Lazar statt. Mit einer beeindruckenden Darbietung nahmen Böhner und Brockmann ihre beiden hochdekorierten Gegnerinnen im ersten Satz mit 6:1 förmlich auseinander. Auch wenn sie dieses anfängliche Niveau mit zunehmender Spieldauer nicht halten konnten und sogar den zweiten Satz mit 4:6 abgeben mussten, stand am Ende dennoch ein absolut verdienter 6:1, 4:6 und 10:6-Erfolg, mit dem sie sich das Ticket fürs Finale sichern konnten.
Hier kam es zum Duell der beiden topgesetzten Teams. Auf der einen Seite standen die an Nummer zwei gesetzten Laura Böhner
und Tessa Brockmann, ihnen gegenüber das eingespielte Duo um Josy Daems und Anastasiia Firman. Über dieses Match wurde bereits an anderer Stelle berichtet. Der 7:5 und 6:4-Erfolg von Böhner und Brockmann stellte letztlich den erfreulichen Abschluss einer turbulenten Woche für die 24-jährige dar, die sie gesundheitlich angeschlagen begann und mit Doppeltitel Nummer 10 beendete.
162-mal nahm die 24-Jährige bislang in ihrer Karriere an einem Doppelwettbewerb teil. Ihre Historie geht zurück bis ins Jahr 2019, als sie beim W15-Turnier in Kaltenkirchen erstmals in einem Doppelfeld an der Seite ihrer Landsfrau Sibel Demirbaga auftauchte. Damals sah es noch nicht nach der großen Doppelkarriere aus. Ihr Auftaktmatch gegen Gabriella da Silva Fick und Anna Klasen ging krachend mit 1:6 und 2:6 verloren.
Bei Anlauf Nummer 29 sollte es dann endlich soweit sein. Gemeinsam mit der Serbin Mihaela Djakovic erreichte sie beim W15-Turnier in Monastir erstmals das Finale einer Doppelkonkurrenz. Doch der erste Titel sollte es hier noch nicht sein. Yasmine Mansouri und Tamira Paszek verwehrten ihr an diesem Tag die Premiere mit einem klaren 6:1 und 6:1-Erfolg.
Und so sollte es noch einmal 29 Anläufe benötigen, bis die damals 21-jährige endlich ihren ersten Siegerpokal in den Händen halten durfte. An der Seite der Spanierin Noelia Bouzo Zanotti trumphierte sie beim W15-Turnier in Castellon durch einen 7:6(3), 4:6 und 10:7-Erfolg im Finale gegen ihre Landsfrau Chantal Sauvant und die Portugiesin Ines Murta. Dieser Erfolg vom 4. November 2022 bildete den Startschuss für die weitere erfolgreiche Titelsammlung der Düsseldorferin, auch wenn es beinahe ein ganzes Jahr dauern sollte, ehe sie in Monastir an der Seite von Gina Feistel erneut bei einem W15-Turnier triumphieren sollte.
Mit Beginn des Jahres 2024 startete Böhner bei Doppelkonkurrenzen nun richtig durch. Fünfmal verließ sie in diesem Jahr den Platz nach dem Finale als Siegerin, sei es mit Angelina Wirges in Fort-de-France, mit Holly Hutchinson noch einmal in Monastir, in Antalya mit Doga Turkmen oder mit ihren Landsfrauen Mina Hodzic und Anna Linn Moll, die in Haren bzw. ein weiteres Mal in Antalya an der Seite der 24-Jährigen die Siegestrophäe abräumten.
Der Aufwärtstrend aus dem Vorjahr setzte sich auch 2025 fort. Die bei den Kamen Open hier ursprünglich als "Comedy-Doppel" titulierte Paarung mit Laura Böhner und Mariella Thamm bewies in dieser Woche eindrucksvoll, dass sie nicht nur jede Menge Spaß auf dem Platz haben, sondern auch richtig erfolgreich Doppel spielen kann. Wie in der vorigen Woche in Essen stand Böhner dort ihrer Landsfrau Josy Daems und deren Partnerin Anastasiia Firman gegenüber. Am Ende sollte es der achte Doppeltitel insgesamt und der erste im Jahre 2025 für die Spielerin vom Niederrhein werden.
Den ganzen Sommer über tat Böhner alles dafür, um ihrer Titelsammlung weitere Trophäen hinzuzufügen, doch desöfteren scheiterte sie an der letzten Hürde. Viermal stand sie zwischenzeitlich in einem Finale, viermal sollte es am Ende doch nicht sein. Phasenweise schien es wie verhext zu sein, wollte ihr doch kein Finalsieg mehr gelingen, unabhängig davon, wer an ihrer Seite spielte.
Die Erlösung folgte dann bei jenem Turnier, bei dem ihre Landsfrau Eva Bennemann nicht nur das ganze Sortiment an Pokalen abräumte, sondern zudem noch am Tag des Einzelfinals ihren 18. Geburtstag feierte. Einen Tag zuvor hatte sie bereits im Doppel den Titel geholt. Während dieser für sie die Titelpremiere bedeutete, hatte ihre Doppelpartnerin damit bereits den neunten auf dem Konto und diese hört bekanntlicherweise auf den Namen Laura Böhner.
Mit Essen wurde die Titelanzahl von Böhner nun zweistellig. Doch das kuriose an dieser ganzen Sache ist: alle zehn Titel kamen mit jeweils unterschiedlichen Partnerinnen zustande. Dabei hatten vor wenigen Wochen noch Mina Hodzic sowie Angelina Wirges die Chance, sich ein zweites Mal neben der 24-Jährigen in die Siegerliste einzutragen. Beiden blieb dies jedoch versagt, wobei dies im Fall von Wirges extrem bitter verlaufen war, als beide eine 9:5-Führung im Matchtiebreak nicht ins Ziel bringen konnten.
Und noch ein weiteres Kuriosum bringt die Titelsammlung von Böhner mit sich: alle zehn Titel stammen aus Turnieren der Kategorie W15. Und es ist nicht so, als würde sie nur grundsätzlich bei diesen Turnieren am Start sein. Bereits mehrfach stand sie kurz vor dem Titelgewinn bei höher dotierten Veranstaltungen wie beispielsweise dem W50-Turnier in Aschaffenburg an der Seite der Schweizerin Chelsea Fontenel, doch der ganz große Wurf wollte ihr bislang noch nicht gelingen. In sofern dürfte es noch genügend Ziele in der Karriere von Laura Böhner geben, die sie in den nächsten Jahren erreichen kann.
Bilder: oben rechts v.l.n.r.: Tessa Brockmann, Laura Böhner - unten links v.l.n.r.: Mariella Thamm, Anastasiia Firman, Laura Böhner, Josy Daems
Turnier: ITF Essen 2025