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Die Kirche muss im Dorf bleiben

Stürmische Zeiten erlebt das deutsche Damentennis gerade. In der Regionalgruppe I des Billie Jean King Cup setzte es in zwei von drei Gruppenspielen Niederlagen, zudem ging am Ende das entscheidende Duell gegen Litauen mit 1:2 verloren. Die Konsequenz daraus: anstelle des anvisierten Aufstiegs blieb am Ende nur der Gang in Regionalgruppe II. Das kann schon mal passieren, wenn man mit einem runderneuerten Quintett antritt. Im kommenden Jahr muss das Ziel ohne Frage die Rückkehr in eine Klasse höher sein. Doch selbst wenn diese Zielsetzung erneut schief gehen sollte, die Welt würde davon nicht untergehen. Auch nicht für die deutschen Tennisdamen.

Doch halt! Hörte sich das nicht irgendwie in allen Gazetten ganz anders an? "Deutsche Tennisdamen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit" war so eine Schlagzeile, die einem immer und immer wieder entgegenkam. Wie bitte definiert jemand das Wort "Bedeutungslosigkeit", wenn eine Mannschaft faktisch von der zweiten in die dritte Liga abgestiegen ist? Sind dann im Fußball auch alle Drittligisten in der Bedeutungslosigkeit verschwunden? Na diese Mannschaften würden sich bedanken.

Wenn irgendwelche vierbuchstabigen Boulevardblätter mit so einem Müll daherkommen, dann kann man das als deren Geschäftsmodell abtun. Doch es waren eben auch andere, die dem deutschen Frauentennis überspitzt gesagt das Existenzrecht abgesprochen haben. Was ist denn genau in der letzten Woche geschehen? Eine deutsche Mannschaft hat bei einem Wettbewerb, dessen sportliche Relevanz regelmäßig in Frage gestellt wird, nicht die Erwartungen gefüllt, die man sowohl selbst an sich als auch die Fans an das Team gestellt haben. Das war's. Wie man da von Bedeutungslosigkeit sprechen kann, lässt sich beim besten Willen nicht erkennen.

Denn sind wir einmal ehrlich: es gab vor nicht allzu langer Zeit mal eine Phase, in der die deutschen Tennisdamen wirklich einmal kurz vor der Bedeutungslosigkeit standen. Nämlich als vor den US Open 2024 zu befürchten war, dass nach dem Turnier keine einzige deutsche Spielerin sich mehr in den Top 100 der Weltrangliste befinden würde. Doch damals suchte man solche (berechtigten) Schlagzeilen vergeblich, schließlich hätte dies ja einiges an Recherche bedurft, um dieses Thema medienwirksam aufzugreifen. Da ist es doch einfacher, man schaut sich ein nacktes Ergebnis an und haut, ohne groß nachzudenken, einfach mal drauf.

Für die echten Tennisfans spielt der sogenannte Billie Jean King Cup ohnehin eine sehr untergeordnete Rolle. Bis den in Deutschland überhaupt wieder jemanden interessiert, vergehen zunächst 51 Wochen, die vollbepackt sind mit zahlreichen Turnieren rund um die Welt. Solange die deutschen Damen hier ihre Leistung zeigen, ist es doch völlig irrelevant, ob Deutschland bei diesem komischen Mannschaftswettbewerb in Regionalgruppe I, II oder III rumhüpft. Österreich ist beispielsweise letzte Woche in Regionalgruppe III abgestiegen. Das wird aber in dem Alpenland die wenigsten interessiert haben, da die einheimischen Topstars allesamt bei den Upper Austria Ladies Linz versammelt waren und lieber vor heimischem Publikum auf Punktejagd gegangen sind. Eine Eva Lys würde auch niemals den Porsche Tennis Grand Prix sausen lassen, wenn parallel der Billie Jean King Cup ("The World Cup of Tennis") rufen würde. Es gab ja schon vor vielen Jahren mal die Idee einer echten Tennis-Weltmeisterschaft, doch die wurde schneller verworfen, als man sie überhaupt ernsthaft zu diskutieren begann.

Man darf das deutsche Frauentennis ohne Frage nach den Leistungen der letzten Woche kritisieren. Ja, das war ein völlig neu zusammengestelltes Team, ja, manche scheinen dem Druck nicht standhalten zu können, weil sie es nicht gewohnt waren und ja, deutsche Doppelpaarungen sind aktuell international nicht konkurrenzfähig. Selbst wenn man nun schreiben würde, das deutsche Team hat in der vergangenen Woche versagt, könnte man dies noch nachvollziehen. Aber die deutschen Tennisdamen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit? Was mag sich nur der gemeine Sportfan denken, der nicht so sehr in der Materie drinsteckt, wenn er so etwas liest? Der wird sich denken, okay, deutsches Frauentennis ist tot, muss ich mich in Zukunft schon nicht mehr damit beschäftigen. Medien können vielleicht eine Sportart in die Bedeutungslosigkeit schreiben, deswegen muss dies noch lange nicht der Realität entsprechen. Realität ist nämlich, dass es in diesem Jahr nach sehr langer Zeit wieder zwei deutsche Spielerinnen ins Hauptfeld des Porsche Tennis Grand Prix geschafft haben, ohne dafür eine Wildcard zu benötigen. Und es wird ja wohl niemand behaupten wollen, dieses Turnier sei bedeutungslos.

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