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Deutschland zuhause in der Zuschauerrolle

Die SanLucar Ladies Open in Aschaffenburg gehen heute mit den Partien des Viertelfinals in ihre heiße Phase. Vier gesetzte und vier ungesetzte Spielerinnen kämpfen noch um den Titel, der erstmals in der Turniergeschichte in der Kategorie W50 ausgespielt wird. Wer definitiv nicht mehr ins Rennen um den Einzeltitel eingreifen kann, sind leider Spielerinnen aus Deutschland. Die letzten drei verbliebenen einheimischen Damen mussten sich gestern allesamt im Achtelfinale aus dem Turnier verabschieden.

Dabei sah die Ausgangslage vor Beginn des Hauptfelds ziemlich vielversprechend aus. Acht deutsche Spielerinnen bei einem W50-Turnier ist doch mal eine Ansage, insbesondere wenn man bedenkt, dass sich keine von ihnen laut Meldeliste dafür qualifiziert hatte. Vier Deutsche gelangten über Wildcards ins Hauptfeld, dazu drei weitere über die Qualifikation. Den achten Platz nahm letztendlich Antonia Schmidt ein, die als Lucky Loser für die Ukrainerin Katerina Zavatska nachrückte.

Auch die Qualifikation stand aus deutscher Sicht den einheimischen Turnieren, die zuvor in niedrigen Kategorien ausgetragen wurden, in nichts nach. War ursprünglich noch zu befürchten, dass die Anzahl der deutschen Teilnehmerinnen sich dort im einstelligen Bereich bewegt, so kam in den letzten Tagen so viel Bewegung in die Meldeliste, dass am Ende 15 deutsche Spielerinnen ihr Glück in Aschaffenburg versuchen konnten. Immerhin vier von ihnen gelang dadurch der Sprung ins Hauptfeld.

Trotz dieser erfolgreichen Anfangsphase mag man sich beim Blick auf das verbliebene Feld nun fragen, ob die Hochstufung von Kategorie W35 auf W50 im Hinblick auf die Chancen deutscher Spielerinnen richtig war oder nicht. Im ersten Moment dürfte man seine Zweifel daran hegen. Keine Deutsche mehr im Viertelfinale dabei, das war mit Sicherheit nicht im Sinne des Erfinders. Doch es alleine daran festzumachen, wäre zu einfach.

Für das Turnier in Aschaffenburg selbst ist es ohne Frage schade, dass nun nur noch Josy Daems - die weder Däms (Kamen) noch Dims (Aschaffenburg), sondern Dahms ausgesprochen wird - und Laura Böhner in der Doppelkonkurrenz die deutschen Farben vertreten. Sieht man allerdings auf die komplette Serie der DTB Internationals, die in diesem Jahr auf einen Rekordwert von 18 Turnieren angestiegen ist, so ist die Variation an unterschiedlichen Turnierkategorien (5x W15, 5x W35, 4x W50, 3x W75, 1x W100) mit Sicherheit nicht falsch, um auch unterschiedlich starken Spielerinnen angemessene Chancen zu bieten, sich vor heimischem Publikum präsentieren zu können. Auch in Leipzig geht es diesmal um mehr Preisgeld und mehr Punkte als im vergangenen Jahr. Welche Auswirkungen das auf das Feld hat, wird man in ein paar Wochen sehen können. Was den SanLucar Ladies Open in dieser Woche mit Sicherheit gut getan hätte, wäre eine Teilnahme der deutschen Juniorinnen gewesen, nur blieb ihnen dies aufgrund des Termins in der zweiten Woche von Wimbledon, wenn dort die Juniorenwettbewerbe ausgetragen werden, versagt.

Natürlich locken Turniere, je mehr Punkte und Preisgeld sie verteilen, auch höher in der Weltrangliste platzierte Spielerinnen an. Eine Nuria Brancaccio würde sich niemals in Aschaffenburg aufhalten, würde man hier wie im vergangenen Jahr noch um 35 Punkte und $30.000 Preisgeld spielen. Mehr internationale Prominenz bringt dem Turnier auch mehr internationale Aufmerksamkeit, sprich, es wird für mögliche Sponsoren attraktiver. Auch das ist ein Aspekt, den man aus Sicht der Veranstalter nicht außer Acht lassen sollte.

Was letztlich in dieser Woche aus deutscher Sicht fehlte, war die positive Überraschung. So etwas, was Noma Noha Akugue vor zwei Jahren in Hamburg gelang. Dabei muss es nicht einmal unbedingt der Finaleinzug einer Deutschen sein, es hätten wohl schon zwei deutsche Viertelfinalistinnen oder eine Halbfinalistin gereicht, damit auch die deutschen Fans im Nachhinein zufrieden auf die diesjährige Ausgabe der SanLucar Ladies Open zurückblicken können. Dies muss auch in Zukunft der Anspruch im deutschen Frauentennis sein, dass man auch bei höherkategorisierten Turnieren in der Heimat ein Wörtchen um den Titel mitreden kann.

Auf ein neues im kommenden Jahr. Und auf ein neues nächste Woche beim W35-Turnier in Darmstadt. Dann wieder mit weniger Preisgeld und Punkten, dafür aber mit mehr deutschen Juniorinnen. Da wäre ein Viertelfinale ohne deutsche Beteiligung fraglos eine Enttäuschung. Diese Woche musste man damit rechnen.

Nachtrag: im Oktober ist es kurzfristig zu Änderungen im Turnierkalender gekommen. Die Anzahl der deutschen ITF-Turniere beträgt in diesem Jahr 16 (1x W100, 3x W75, 3x W50, 4x W35, 5x W15).


Turnier: ITF Aschaffenburg 2025

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