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Der Fels in der Brandung

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Lola Giza

Donnerstag am frühen Nachmittag bei den Kamen Open. Die 18-jährige Qualifikantin Lola Giza unterliegt ihrer Landsfrau Tessa Brockmann in drei Sätzen. Der Stuhlschiedsrichter verkündet das Ergebnis: 6:0, 6:7 und 6:3 für die ein Jahr ältere Brockmann. Für die unterlegene Sächsin dürfte die Niederlage mit Sicherheit eine Enttäuschung sein, doch das soeben erlittene Aus im Turnier ist ihr nicht anzumerken. Eine herzliche Umarmung mit der Siegerin am Netz und das war es dann. Job erledigt, auf zum nächsten.

Lola Giza ist im deutschen Frauentennis eine Ausnahmeerscheinung. Egal, wie ihre Partie gerade verläuft, im Gesicht der 18-jährigen ist ihr der Spielstand nicht anzusehen. Die amtierende internationale sächsische Meisterin strahlt während ihrer Auftritte eine Ruhe aus, wie man sie nur selten auf der Tour sieht. Kein Lamentieren, keine Schläger, die fliegen und keine Ausraster. Nicht mal ein lautstarkes Anfeuern kann man vernehmen und wer überhaupt etwas von der 18-jährigen während des Matches hören will, der braucht schon gute Ohren.

Man mag ihr die Lockerheit kaum glauben, hätte man sie nicht selbst schon gesehen. Dabei gab es in ihrer noch jungen Karriere bereits genügend Gelegenheiten für sie, um emotional in Erscheinung zu treten. Nur man erlebt sie einfach nicht. Als sie bei den Leipzig Open im vergangenen Jahr die topgesetzte Rumänin Cristina Dinu in der ersten Runde aus dem Turnier warf, hätten andere an ihrer Stelle einen nicht mehr enden wollenden Freudentanz aufgeführt, nicht so aber Giza. Match gewonnen, weiter geht's.

Auch ihren sensationellen Auftritt in der ersten Qualifikationsrunde beim W50-Turnier in Troisdorf elektrisierte die Zuschauer deutlich mehr als es bei der Spielerin selbst den Anschein hatte. Nachdem sie im ersten Satz einen 3:5-Rückstand egalisieren konnte, den Satz am Ende dennoch mit 5:7 verlor, kämpfte sie sich im zweiten Satz nach fünf Matchbällen gegen sich in den Tiebreak, den sie überraschend mit 7:4 für sich entschied. Das Publikum vor Ort konnte sich kaum mehr auf den Stühlen halten, doch Giza nahm den Satzausgleich hin, als sei es das normalste auf der Welt.

Welche Ruhe und Gelassenheit die 18-jährige an den Tag legt, davon konnten sich erst vor wenigen Tagen die Zuschauer bei den Lola Giza Tessa BrockmannKamen Open ein Bild machen. In der zweiten Qualifikationsrunde kam es zu einem rein deutschen Duell mit ihrer topgesetzten Landsfrau Helena Buchwald. Nachdem sich beide die ersten beiden Sätze geteilt hatten, musste der Matchtiebreak über den Einzug ins Hauptfeld entscheiden.

Hier lag Giza zwischenzeitlich mit 5:9 zurück und sah sich somit vier Matchbällen ihrer Gegnerin gegenüber, die sie mit einer stoischen Ruhe der Reihe nach abwehrte. Das wahre Drama ereignete sich erst wenig später, als man der 18-jährigen den sicher geglaubten 11:11-Ausgleich aberkannte, obwohl der Ball ihrer Gegnerin für alle ersichtlich klar im Netz landete und augenscheinlich während des Ballwechsels keinen Defekt aufwies. Eine Vielzahl an Spielerinnen hätte sich in dieser Situation lautstark echauffiert, den Supervisor rufen lassen und sich geweigert, weiterzuspielen. Giza jedoch nicht. Eine kurze Diskussion mit dem Schiedsrichter und danach mit dem Supervisor, mehr war nicht zu vernehmen, dann ging es bei 10:11 weiter. Und das, obwohl selbst Nachwuchs-DTB-Trainer Dirk Dier die Situation knapp mit "der Ball war gespielt" kommentierte.

Immerhin gab es dann so etwas wie Gerechtigkeit. Giza holte sich nervenstark, wie sie sich seit Monaten präsentiert, dennoch den Punkt zum 11:11 und nach Abwehr von insgesamt sechs Matchbällen war es auch sie, die sich am Ende das Hauptfeldticket mit einem 18:16-Erfolg zur Freude der anwesenden Zuschauer sichern konnte. Dass sie jedoch die komplette Anspannung der vergangenen Minuten aus sich herausschreien würde, darauf warteten sie vergeblich. Handshake, danke schön, ich komme morgen wieder.

Es mag teilweise verblüffend sein, mit welcher Ruhe die 18-jährige agiert, doch ist es ein schön anzusehender Kontrast in der ansonsten immer lauter werdenden Tenniswelt, in der es teilweise mehr darum geht, sich auf social media zu profilieren und sich selbst bis zur Unkenntlichkeit zu vermarkten als um das Geschehen auf dem Platz selbst. Lola Giza möchte dagegen einfach nur das machen, was sie am besten kann: Tennis spielen. Auch wer sie außerhalb erlebt, begegnet einer unaufgeregten jungen Frau, die das ganze Drumherum schlichtweg auszublenden scheint und sich nur darauf konzentriert, es in ihrer Sportart so weit wie möglich zu bringen. Mit jedem ihrer Auftritte wächst die Zahl ihrer Fans, auch wenn das Rampenlicht ganz und gar nicht ihres ist. Möge sie so bleiben, wie sie ist und den deutschen Fans in den kommenden Jahren viel Freude bereiten.

Bild: Lola Giza und Tessa Brockmann nach Ende ihres Achtelfinals bei den Kamen Open


Turnier: ITF Kamen 2025

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