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Das Spiel ist aus !

Noch wenige Stunden, dann startet in New York mit den US Open das letzte Grand Slam-Turnier des Jahres. Je 128 Damen und Herren kämpfen dabei in den nächsten zwei Wochen darum, am Ende den Siegerpokal in den Händen zu halten und um ein paar Millionen Dollar reicher zu sein. Was aufgrund der Vorfreude auf das, was uns in den kommenden 14 Tagen erwartet, völlig in Vergessenheit gerät, ist dass der erste Titel bereits längst vergeben wurde.

Sara Errani und Andrea Vavassori haben sich vor wenigen Tagen den Titel im Mixed-Wettbewerb gesichert und somit ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigt. In einem neuen Zwei-Tages-Format mit verkürzten Sätzen waren die beiden großen Stadien restlos ausverkauft und die Stimmung im Vergleich dazu, wie man es ansonsten von einer Mixed-Konkurrenz gewohnt ist, völlig ausgelassen. Kein Wunder feiert sich nun der Veranstalter für seine grandiose Idee, den Mixed-Wettbewerb vorgezogen und das Austragungsformat komprimiert zu haben.

Doch bei genauem Hinsehen fällt auf: der Schein trügt. Und zwar gewaltig. Tatsächlich waren in diesem Jahr nur 16 anstelle von 32 Paarungen am Start, böse Zungen würden sagen, in Wirklichkeit war es sogar nur ein einziges. Dass Errani und Vavassori ihren Titel verteidigen würden, war eigentlich schon vor Beginn der Veranstaltung so gut wie sicher. Sie bildeten das einzige Duo, das auf jahrelange gemeinsame Erfahrung im gemischten Doppel zurückgreifen konnte. All ihre Kontrahenten bestanden fast ausschließlich aus zusammengewürfelten Paarungen von Einzelspielern, von denen die einen oder anderen zudem kein wirklich großes Interesse an diesem Grand Slam-Titel, der er nunmal (leider) ist, gehabt zu haben. Aber für Geld tut man bekanntlich fast alles.

Wofür also feiert man sich in New York ? Dass man reihenweise Topspieler und Topspielerinnen dazu gebracht hat, an einem Wettbewerb teilzunehmen, von dem sie ansonsten Abstand nehmen würden ? Wenn man das Format so dermaßen zusammenstaucht, dass man nicht mehr wirklich erkennt, dass es sich um ein ernsthaftes Turnier handelt und dazu noch lange genug mit den Geldscheinen wedelt, ist dies ja wohl wenig überraschend. Da ist man am Ende schon froh, dass es am Ende die beiden Italiener waren, die sich das Rekord-Mixed-Preisgeld von einer Million Dollar für ein paar Stunden Arbeit auf dem Platz abgeholt haben.

Es war für die Zuschauer ohne Frage eine Attraktion, über zwei Tage hinweg Topspieler dabei zu beobachten, wie sie um einen Grand Slam-Titel kämpfen. Doch das, was sich in der vergangenen Woche im Arthur Ashe Stadium abspielte, führt den eigentlichen Sinn des Mixed-Wettbewerbs ad absurdum. Spielerinnen und Spieler, die in ihrer Karriere bereits reihenweise Doppeltitel absahnen konnten und die mit Sicherheit besser abgeschnitten hätten als 15 der 16 teilnehmenden Paarungen, wurden hier bewusst außen vor gelassen, darunter auch eine Laura Siegemund, die im übrigen 2016 diesen Titel schon einmal gewann - damals noch für mickrige $75.000. Errani und Vavassori hatten letztlich nur das Glück des Titelverteidigers, ansonsten wäre wohl auch ihnen nur die Zuschauertribüne zugewiesen worden.

Das ausverkaufte Stadion mag den Veranstaltern in ihrer Vorgehensweise recht geben. Finanziell ist man hier ohne Frage in neue Sphären vorgestoßen, sportlich jedoch hat man eher einen Offenbarungseid geleistet. Der Mixed-Wettbewerb ist nach dem Einzel und dem Doppel so etwas wie die 3. Liga des Tennissports. Das mag im ersten Moment despektierlich klingen, ist es aber nicht. Es gibt Spielerinnen und Spielerin, insbesondere denen, die in erster Linie in der Doppelkonkurrenz am Start sind, die Chance, ihr Budget etwas aufzubessern und vielleicht ja noch eine Trophäe mit nach Hause zu nehmen. Da bei der Zusammensetzung des Feldes auch das Einzelranking eine Rolle spielt, hätten die Topstars längst vor diesen US Open die Chance gehabt, am Mixed teilzunehmen. Nur taten sie es bisher nicht.

Dass nun auf einmal die Stadien bei einem Mixed-Wettbewerb ausverkauft sind, ist daher kein Wunder. Würden im Fußball auf einmal in der 3. Liga lauter Bundesligamannschaften antreten, würden die Tribünen dort auch aus allen Nähten platzen. Nur gehört die 3. Liga nunmal den Drittligavereinen und das hat auch seinen guten Grund. Man kann aus alles und jedem ohne Frage immer mehr Profit schöpfen, doch irgendwann einmal sollte die Grenze des sinnvoll machbaren erreicht sein. Doch es ist zu befürchten, dass diese auch in Zukunft immer öfter überschritten wird, nämlich dann, wenn auch die anderen Grand Slam-Turniere sich ein Beispiel an den US Open nehmen und ebenfalls die die Doppelspezialisten vom Mixed-Wettbewerb ausschließen. Geld regiert die Welt nunmal nicht nur in Flushing Meadows.


Turnier: US Open 2025

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