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Das richtige Zeichen

Am gestrigen Montag feierte Torben Beltz seine Premiere als nominierender Chef des deutschen Billie Jean King Cup-Teams. Vieles war seit der "Schmach von Ismaning" diskutiert und ein rigoroser Generationswechsel gefordert worden. Der Rücktritt von Rainer Schüttler als Verantwortlicher wurde dabei von vielen als Chance gesehen, sich endlich von altbekannten Gewohnheiten zu verabschieden und endlich frisches Blut in die Mannschaft zu bringen. Und wenn man sich die Selektion von Beltz nun so ansieht, dann muss man konstatieren: der Mann hat geliefert.

Schluss mit der Nominierung strikt nach Rangliste, stattdessen wurde hier mehr auf Form und Homogenität geachtet. Die vier auserkorenen Damen sind gerade einmal 20, 21, 22 und 24 Jahre alt, entstammen also alle aus derselben Tennis-Generation. Vergleicht man dies mit dem ursprünglich nominierten Quartett vom letzten Mal (Lys, Seidel, Maria, Siegemund), so hat man bei der neuerlichen Auswahl schon eher das Gefühl, als würde Beltz hier eine harmonische Einheit ins Rennen um die Chance auf den Wiederaufstieg schicken. Sollte übrigens jemand bei der Aufzählung des Ismaning-Kaders die Namen Friedsam und Niemeier vermissen, diese beiden stießen erst später zum Team hinzu, ebenso wie auch Tessa Brockmann, die diesmal von vorneherein gesetzt ist.

Es ist ein guter Mix aus Nachwuchs und Erfahrung, den Beltz und wohl auch seine Co-Trainerin Jasmin Wöhr hier ausgewählt hat. Auf der einen Seite sind alle Spielerinnen unter 25 und somit noch relativ jung, auf der anderen Seite haben sie trotz ihres Alters bereits genügend Erfahrung, um sich dieser Aufgabe zu stellen. Und was noch viel wichtiger ist: dieses eingeschworene Team wird darauf brennen, in Oeiras erfolgreich abzuschneiden und den Gruppensieg gepaart mit der Teilnahme an den Playoffs in November einzufahren. Sollte es Beltz tatsächlich gelingen, unter seinen Spielerinnen so etwas wie Aufbruchstimmung zu verbreiten, hätte er ein wichtiges Ziel in seiner noch kurzen Amtszeit bereits erreicht.

Manche hätten sich mit Sicherheit einen noch radikaleren Schritt gewünscht und gerne Spielerinnen wie Eva Bennemann oder Julia Stusek im Team gesehen. Grundsätzlich werden auch diese in einigen Jahren eine Rolle in diesem Mannschaftswettbewerb spielen, doch es gilt eben auch immer im Blick zu haben, wer einem in Oeiras alles gegenüberstehen könnte. Und sollte eine Clara Tauson für Dänemark an den Start gehen, so muss man darauf die passende Antwort parat haben. Und diese besteht in diesem Falle aus Eva Lys und für den Fall, dass sie, womit man leider immer rechnen muss, aus gesundheitlichen Gründen nicht würde antreten können, aus Ella Seidel.

Es zählt nun mal nur der Gruppensieg und in dieser Hinsicht war die Nominierung in allen Fällen wohl durchdacht. Noma Noha Akugue hatte sich ja in den letzten Wochen durch ihre beiden Turniersiege faktisch schon selbst aufgestellt. Es wäre ein Unding gewesen, wenn man ihren Namen gestern vergeblich auf der Nominierungsliste gesucht hätte. Und Tessa Brockmann gilt im übrigen nicht nur als exzellente Einzelspielerin, sie ist laut Weltrangliste auch die viertbeste Deutsche im Doppel hinter Laura Siegemund, Noma Noha Akugue und Katharina Hobgarski. Man hat also bereits jetzt, ohne dass man alle fünf Plätze belegt hat, die deutsche Nummer zwei und die deutsche Nummer vier im Doppel an Bord.

Eins steht mit dem heutigen Tag wohl auch fest: auf eine Teilnahme von Tamara Korpatsch wird man im Billie Jean King Cup wohl nicht mehr zu hoffen brauchen. Die Ursache dafür liegt jedoch nicht beim neuen Teamchef, das haben andere vor ihm zu verantworten. Als die Hamburgerin im Alter der heute Nominierten war, hätte sie genauso eine Chance verdient gehabt, Deutschland vertreten zu dürfen. Doch es gilt nun, den Blick nach vorne zu richten. Und so gespannt wie auf das, was im kommenden Monat in Oeiras passieren wird, dürften die deutschen Fans schon lange nicht mehr gewesen sein, zumindest was den Billie Jean King Cup anbetrifft.

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