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Das Comeback der Sandplatzsaison

Die Sandplatzsaison der WTA erhält weiter Zuwachs. Nachdem die Ausweitung der beiden WTA 1000-Turniere von Madrid und Rom dafür gesorgt hat, dass das eine oder andere WTA 250-Sandplatzturnier vor einigen Jahren aus dem Kalender verschwunden ist und es teilweise so aussah, als gäbe es auf WTA-Ebene lediglich noch Charleston, Bogota, Stuttgart, Madrid und Rom als Vorbereitungsturniere auf Sand, bevor in Roland Garros die Pforten für die Qualifikation geöffnet werden, so hat sich die Situation mittlerweile deutlich entspannt.

Dabei hat sich die Dauer der Sandplatzsaison in den letzten Jahren nicht verändert. Der Start befindet sich weiterhin direkt im Anschluss an die Miami Open, wenn in Charleston die einzige WTA-Titelträgerin des Jahres auf grünem Sand ermittelt wird und endet mit dem Grand Slam-Turnier in Roland Garros, das in der ersten Woche im Juni zu Ende geht. Was sich allerdings geändert hat, ist die Anzahl der WTA-Turniere in diesem Zeitraum und dafür sind in erster Linie zwei Maßnahmen verantwortlich.

Zunächst einmal hat man die Zahl der WTA 125-Turniere drastisch erhöht. 2019 hatte es mit dem Turnier im chinesischen Anning gerade einmal ein einziges Turnier dieser Kategorie in den Wochen zwischen Charleston und Roland Garros gegeben. Ein weiteres im kroatischen Bol fand in der zweiten Woche des Grand Slam-Turniers von Paris statt und diente somit nicht mehr der Vorbereitung auf den Höhepunkt der Sandplatzsaison.

Die Inflation an zweiwöchigen WTA 1000-Turnieren hat bei vielen für Unmut gesorgt, seien es Fans oder die betroffenen Spielerinnen selbst, auch dadurch, dass die Topspielerinnen mehr oder wenigen dazu gezwungen sind, dort anzutreten. Da traf es sich gut, dass der eine oder andere Topstar während des "Middle East Swing" durch sein Nichterscheinen ein Zeichen gesetzt hat, doch das ist ein anderes Thema. Tatsächlich mussten durch die fehlenden Alternativen auf WTA-Ebene viele Spielerinnen auf die ITF World Tennis Tour ausweichen, wodurch sie dort im Umkehrschluss anderen wieder den Platz wegnahmen.

Mittlerweile hat sich die Situation deutlich entspannt. Es gibt kaum mehr ein zweiwöchiges WTA 1000-Turnier, an dem nicht parallel zumindest in der zweiten Woche ein WTA 125-Turnier stattfindet. Bei Indian Wells waren es Veranstaltungen in Austin und Antalya, bei Miami das Turnier in Dubrovnik. In der zweiten Woche von Madrid finden gleich drei WTA 125-Turniere parallel statt, im Falle von Rom zwei Wochen später sind es mit Parma und Paris immerhin deren zwei. Der Engpass an Sandplatztunieren scheint also überwunden zu sein.

Dazu trägt auch die zweite drastische Maßnahme im Kalender bei: das Schlachten der "heiligen Kuh". Jahrelang war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die WTA dem Fed Cup, der sich mittlerweile einen deutlich längeren Namen zugelegt hat, mit ihrem Kalender nicht in die Quere kommt. Diese Handhabe gehört jedoch spätestens seit diesem Jahr endgültig der Vergangenheit an.

Wie die Zukunft dieser "heiligen Wochen" aussieht, erkennt man alleine daran, wenn man sieht, wo sich die deutschen Spielerinnen in der kommenden Woche aufhalten. Während sich Eva Lys, Ella Seidel, Noma Noha Akugue und Tessa Brockmann in Oeiras auf die Spiele der Regionalgruppe des Billie Jean King Cups (ja, der Fed Cup heißt jetzt so) vorbereiten (Nastasja Schunk ist anscheinend auch vor Ort), gehen heute mit Tamara Korpatsch, Anna-Lena Friedsam und Jule Niemeier drei Deutsche beim WTA 500-Turnier in Linz an den Start. Ein Turnier auf Premier-Level (für die Älteren unter den Tennisfans) in der Fed Cup-Woche? Das galt vor Jahren noch als völlig ausgeschlossen.

Und das ist nicht einmal das einzige. Wenn schon Turniere in der Fed Cup-Woche, dann richtig. Und so wurde aus dem einstigen W100-Turnier, das alljährlich im Club de Campo in Madrid ausgetragen wurde, in diesem Jahr ein neues WTA 125-Turnier. Auch dies wird ab heute mit deutscher Beteiligung über die Bühne gehen. Topgesetzt in der Qualifikation ist Caroline Werner, die auf die Japanerin Momoko Kobori trifft, zudem ist auch Mina Hodzic in Madrid am Start, die es als ungesetzte Spielerin mit der an Nummer acht gesetzten Spanierin Cristina Diaz Adrover zu tun bekommt.

So hat sich die WTA nun über den Zeitraum von insgesamt elf Wochen eine proppenvolle und insbesondere durchgängige Sandplatzsaison hingezaubert mit insgesamt 21 Turnieren bis zum Start der Rasensaison im Juni. Die Ausweitung der WTA 1000-Turniere von Madrid und Rom darf man dennoch kritisch hinterfragen, allerdings hat hier ja auch die ATP ihre Finger im Spiel und so blieb der WTA wohl auch keine andere Wahl, als in den sauren Apfel zu beißen. Immerhin hat man aus dieser Situation das beste mit den vielen parallelen WTA 125-Turnieren gemacht. Der Fed Cup oder Billie Jean King Cup läuft jetzt eben nur noch nebenher. Aber für seinen mittlerweile geringeren Stellenwert ist er auch selbst mitverantwortlich. So ist das eben, wenn man Jahr für Jahr meint, das Format ändern zu müssen.


Turnier: WTA Madrid 2026

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