Brockmann sichert sich Titel in Erwitte
Tessa Brockmann heißt die Siegerin der Erwitte Open 2025. Die 19-jährige Schleswig-Holsteinerin konnte sich im Finale gegen die Französin Alice Tubello glatt in zwei Sätzen mit 6:3 und 6:3 durchsetzen und nimmt nun neben dem Siegerpokal und dem Preisgeld auch noch 35 Weltranglistenpunkte mit nach Hause, die sie ihrem Traum von der Teilnahme an einer Grand Slam-Qualifikation wieder ein Stückchen näherbringen. Im Vorjahr fand das Finale von Erwitte ohne deutsche Beteiligung statt. Damals sicherte sich die Spanierin Irene Burillo Escorihuela den Titel.
Wie von einigen bereits tags zuvor vermutet, hatte es die Französin zu Beginn schwer, gegen die haushohe Favoritin ins Spiel zu finden. Trotz einer anfänglichen 40:0-Führung im ersten Aufschlagsspiel sah sich Tubello einem schnellen 0:3-Rückstand gegenüber. Diesen konnte sie im weiteren Verlauf des Satzes zwar noch etwas eindämmen, um beide Breaks aufzuholen, reichte es jedoch nicht mehr. Somit ging der erste Durchgang verdient mit 6:3 an die Spielerin vom TC an der Schirnau.
Ein etwas anderes Bild bot sich im zweiten Satz, in dem Tubello den besseren Start erwischte und diesen direkt mit einem Break eröffnete. Es sollte etwas dauern, ehe Brockmann diesen Rückstand wieder wettmachen konnte. Zwar erspielte sich sich Breakchancen zum 2:2-Ausgleich, die Französin aber konterte und ließ diesen zunächst nicht zu. Erst bei ihrer nächsten Gelegenheit beim Stande von 2:3 brachte die Deutsche wieder alles in die Reihe.
Mit diesem gelungenen Ausgleich schien bei ihrer Gegnerin nun etwas der Widerstand gebrochen zu sein. Mühelos sicherte sich Brockmann das 4:3 und auf ähnliche Art holte sie sich in der Folge auch das vorentscheidende Break zum 5:3. Das letzte Aufschlagsspiel der aktuellen Nummer 378 der Weltrangliste endete dann genauso perfekt wie sich die ganze Woche für Brockmann angefühlt haben muss.
Mit den Erwitte Open endet ein Turnier, das viele spannende Episoden im Laufe der Woche hervorgebracht hat und um das es wirklich schade wäre, sollte die Ausgabe 2025 wirklich die vorerst letzte gewesen sein. Gerade im Hinblick auf die Hochstufungen anderer Veranstaltungen auf deutschem Boden wie in Aschaffenburg oder Leipzig ist es von immenser Bedeutung, dass der Unterbau mit den W15- und den W35-Turnieren in Deutschland nicht verloren geht. Wie sonst sollen solche märchenhaften Geschichten geschrieben werden wie die der erst 15-jährigen Tina Manescu, die bis vor einer Woche noch kaum jemand auf dem Schirm hatte und die sich mit ihrer Wildcard ab der ersten Qualifikationsrunde von Tag zu Tag mit ihrer kämpferischen Spielweise immer mehr in die Herzen der Zuschauer und bis ins Halbfinale gespielt hat ?
Unabhängig davon, ob es auch im kommenden Jahr wieder Spitzensport in Erwitte zu sehen gibt: diese Turnierwoche, mit allem, was sie drumherum geboten hat, war beste Werbung für den Tennissport, auch wenn es leider die ganze Woche über den Zuschauern vor Ort vorbehalten war, sich davon zu überzeugen. Mit mangelnder Sichtbarkeit tut man einer Sportart keinen Gefallen. An diesem Punkt muss dringend nachgebessert werden, denn auch eine Tessa Brockmann hat nichts davon, wenn einer ihrer bisherigen größten Erfolge in ihrer Karriere außer ein paar hundert Zuschauern vor Ort niemand zu Gesicht bekommt.
Ihre Reise führt sie in einer Woche hin zur Anlage ihres Heimatvereins, dem TC an der Schirnau in Kaltenkirchen, bei dem erstmals nach Ende der coronabedingten Zwangspause wieder ein W15-Turnier ausgetragen wird. Dass Brockmann hier ohne Frage auch zu den Topfavoritinnen auf den Titel gehört, versteht sich von selbst.
Bild: Tessa Brockmann und Alice Tubello bei der Siegerehrung; unten: Dankesrede von Tessa
Turnier: ITF Erwitte 2025