Aus Liebe zum Gel...äh Sport
Mittlerweile dürfte es jeder Tennisfan mitbekommen haben: Serena Williams kehrt im Alter von 44 Jahren in der kommenden Woche auf die WTA-Tour zurück. Die mediale Resonanz, die gestern zu beobachten war, sprengt jegliche Maßstäbe, selbst die WTA lässt sich dazu hinreißen, die Rückkehr der Noch-Tennis-Rentnerin nach allen Regel der Kunst zu zelebrieren. Dabei ist das internationale Damentennis auch ohne die US-Amerikanerin bestens aufgestellt. Während man bei den Herren bei jedem großen Turnier auf eine Schwächephase des Weltranglistenersten hoffen muss, damit überhaupt einmal ein anderer eine Titelchance hat, sind es bei den Damen mindestens eine Handvoll Spielerinnen, die sich jedes Mal berechtigte Hoffnungen auf einen Titelgewinn machen können.
Aus Liebe zum Sport, so sagt man, sei Williams nach mehrjähriger Abstinenz zurückgekehrt. Das sagen im übrigen alle, die irgendwann nicht mehr wissen, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollen. Der Wahrheit entspricht dies jedoch nicht. Ginge es nur um den Sport alleine, müsste man anderen bei WTA-Turnieren nicht die Wildcards wegnehmen, sondern finge, wie es eigentlich üblich sein sollte, wieder von ganz unten an, denn der Sport an sich in derselbe. Theoretisch wäre dies zwar möglich, doch auf diesem Weg würde die eigentliche Intention dieser Rückkehr auf der Strecke bleiben.
Denn faktisch geht es Williams und insbesondere denen, die hinter diesem Comeback stecken, in erster Linie nicht um den Sport, sondern schlichtweg um Aufmerksamkeit und damit natürlich verbunden, machen wir uns nichts vor: Geld. Williams' Ausrüster Nike soll an diesem Comeback nicht ganz unbeteiligt gewesen sein und dieser erhofft sich durch diese gelungene PR-Aktion und dem, was in nächster Zeit folgt, natürlich höhere Verkaufszahlen durch die verstärkte Präsenz seines Schützlings in der Öffentlichkeit.
Good news travels fast. pic.twitter.com/R7x7EFPUJ8
— Serena Williams (@serenawilliams) June 1, 2026
Noch rästelt man über die Form dieser Rückkehr in den Tenniszirkus. Sicher ist, dass sie im Londoner Queen's Club im Doppelwettbewerb an der Seite der Kanadierin Victoria Mboko an den Start gehen wird. Für 44-Jährige Tennis-Omas aus den USA hat man da nämlich noch Wildcards übrig im Gegensatz zu seinen Titelverteidigerinnen. Und für diesen Auftritt gilt dasselbe wie für alle anderen, die in den nächsten Monaten (von Jahren mag man gar nicht sprechen) noch folgen werden. Es ist völlig uninteressant, wie erfolgreich Williams bei ihren Turnierteilnahmen abschneiden wird, es geht einzig und allein darum, permanent im Gespräch zu bleiben. Und die Preisgelder tun dazu ihr übriges, ob sie diese nun unbedingt nötig hätte oder nicht. Andere Spielerinnen, die ihretwegen auf der Strecke bleiben, hätten sie mit Sicherheit nötiger.
Da liegt eben noch so ein Problem mit diesen Williams-Comebacks. Es ist ja nicht nur Serena, es gibt ja auch noch Venus. Die schlägt im übrigen mit 45 demnächst in Bad Homburg auf. Klar, dem deutschen Frauentennis geht es so gut, da braucht man doch keine Wildcards an eigene Spielerinnen zu vergeben. Venus hier, Eala da, man hat es doch. Fehlen nur wieder die slowakischen Quali-Wildcards, die es letztes Jahr in Berlin gab und dann könnte man sich wieder darüber unterhalten, warum die deutschen Tennisdamen international da stehen, wo sie gerade sind.
Alles rund um das Williams-Comeback ist minutiös geplant. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe war kein Zufall. Mit der Veröffentlichung dieses kleinen Videos gestern hat Williams dem laufenden Grand Slam-Turnier in Paris beinahe den Garaus gemacht. Welche Medien interessierten sich am Montag noch für den Spielbetrieb in Roland Garros? Serena Williams, so weit das Auge reicht. Es war, als wäre der Messias auf der Erde erschienen, dabei hat nur eine alternde und zumindest in der Weltspitze nicht mehr konkurrenzfähige ehemalige Topspielerin bekanntgegeben, dass sie wieder ein bisschen Tennis spielen will. Harmony Tan wird's freuen.
Und Harmony Tan liefert dann auch das Stichwort. Nicht wegen des Ärgers einst mit Tamara Korpatsch wegen des abgesagten gemeinsamen Doppel-Auftritts in Wimbledon, sondern weil spätestens mit der Niederlage von Williams gegen die Französin in der ersten Runde 2022 auf dem heiligen Rasen für jeden ersichtlich war, dass die große Zeit der einstmals übermächtigen Serena Williams zu Ende ist. Daran wird sich auch vier Jahre später nichts geändert haben, trotzdem werden nun schon erste Befürchtungen laut, Williams könnte nicht nur im Doppel zurückkehren, sondern es auch im Einzel noch einmal versuchen wollen. Und wenn ja, dann womit? Natürlich mit Wildcards.
Sicher würde jeder Tennisfan dabei zustimmen, dass eine Serena Williams ein Vielfaches mehr an Massen anzieht als eine lokale Nachwuchsspielerin, die in der Weltrangliste irgendwo im hinteren dreistelligen Bereich herumdümpelt und die mit einer Wildcard aller Voraussicht nach ohnehin in der ersten Runde ausscheiden würde. Tatsache ist aber, dass Williams dasselbe Schicksal erleiden könnte und man seiner Nachwuchsspielerin somit die Möglichkeit genommen hätte, Erfahrungen auf Profilevel zu sammeln. Den Turnierveranstaltern wäre dies dennoch egal, schließlich sind ihnen alleine durch den Namen Williams volle Kassen und dazu jede Menge Medienpräsenz garantiert. Die Nachwuchsspielerin kann auch woanders antreten. Denn es geht ja wie gesagt bei dieser ganzen Sache nur um eins.
Seien es Preisgelder, Einnahmen aus Sponsorenverträgen oder Ticketverkäufe. Alleine der Name Serena Williams ist eine Gelddruckmaschine. Das wissen alle, nur keiner spricht es offen aus. Stattdessen wird so getan, als käme nun etwas zurück, was der Tennissport dringend benötigt, um nicht dem Untergang geweiht zu sein. Dabei hat sich die Tenniswelt auch ohne sie längst weitergedreht.
Der Sport braucht Serena Williams nicht. Die einzigen, die sie brauchen, sind die, die durch ihre Präsenz Einnahmen in einer Höhe generieren, die es ohne sie nicht gäbe. Denn die Fanmassen werden in der kommenden Woche zum Queen's Club strömen. Leider nicht, um Titelverteidigerin Tatjana Maria dabei zuzusehen, wie sie sich durch die Qualifikation kämpft, sondern um ein Match im Doppelwettbewerb zu verfolgen, bei dem eine 44-Jährige aus dem Ruhestand zurückkehrt. Die LTA wird's freuen. Geld regiert nun mal die Welt.
Returning on the British grass 🇬🇧😍
We can't wait to see you, @serenawilliams pic.twitter.com/jbu5RIoES1— LTA (@the_LTA) June 1, 2026